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Straße von Hormus: 132 Millionen Barrel Öl blockiert

Das geopolitische Nadelöhr im Persischen Golf bedroht Energieversorgung, Düngemittelmärkte und die globale Lebensmittelproduktion.

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Straße von Hormus: 132 Millionen Barrel Öl blockiert

106 Öltanker mit rund 132 Millionen Barrel Rohöl und Kohlenwasserstoffkondensat liegen derzeit im Persischen Golf fest – blockiert durch die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus. Das entspricht etwa zwei Monaten des deutschen Ölverbrauchs. Aktuelle Datenanalysen des Marktforschungsunternehmens Kpler für die WirtschaftsWoche verdeutlichen das gewaltige Volumen, das bei einer Öffnung der Meerenge schlagartig auf die Weltmärkte treffen würde.

Die Straße von Hormus ist das wichtigste maritime Nadelöhr für den globalen Energiehandel. Täglich passieren Millionen Barrel Rohöl die enge Wasserstraße zwischen dem Iran und Oman. Eine anhaltende Blockade oder militärische Eskalation in der Region hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Europa, Asien und weltweit.

Düngemittelpreise schon 40 Prozent gestiegen

Die Folgen der Spannungen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Goldman Sachs warnt in einer aktuellen Analyse, dass über 25 Prozent des weltweiten Stickstoffdüngerhandels und rund 20 Prozent des für die Düngerproduktion notwendigen Flüssiggases (LNG) die Straße von Hormus passieren. Seit Beginn des Nahostkonflikts sind die Preise für Stickstoffdünger bereits um rund 40 Prozent gestiegen.

Das größte Risiko für die globale Landwirtschaft sieht Goldman Sachs in sinkenden Ernteerträgen – entweder durch suboptimalen Düngereinsatz oder den Wechsel zu weniger ertragreichen Kulturen. Während die USA durch frühzeitige Vorabkäufe kurzfristig geschützt sein könnten, drohen Europa, Australien und der südlichen Hemisphäre erhebliche Versorgungsengpässe. Die Folge: steigende Lebensmittelpreise, höhere Inflation und gedämpftes Wirtschaftswachstum.

Europäische Ölkonzerne profitieren trotz Risiken

Für die europäischen Energiekonzerne ist die Lage ambivalent. Laut der Bank of America (BofA) sind TotalEnergies, Shell, BP und Eni die einzigen europäischen Ölmajore mit nennenswerter Produktionspräsenz hinter der Straße von Hormus. TotalEnergies ist dabei am stärksten exponiert – rund 15 Prozent der jährlichen Gruppenproduktion entfallen auf die betroffene Region. Die BofA betont jedoch, dass diversifizierte Portfolios und aktives Handelsmanagement die operativen Risiken teilweise abfedern.

Paradoxerweise profitieren die Konzerne gleichzeitig von den krisenbedingten Preissteigerungen. Die BofA schätzt, dass ein Anstieg des Brent-Rohölpreises um 15 US-Dollar pro Barrel sowie höhere Gas- und Raffineriepreise den europäischen Ölmultis im Jahr 2026 zusätzliche freie Cashflows von über 25 Milliarden US-Dollar bescheren könnten. Als besonders großen Profiteur hebt die Bank Equinor ASA hervor: Der norwegische Konzern ist kaum direkt von Hormus-Blockaden betroffen, profitiert aber stark von den gestiegenen Marktpreisen.

In Extremszenarien, in denen die Störungen bis Ende 2026 anhalten, könnten die Rohölpreise auf über 200 US-Dollar pro Barrel steigen. Für Investoren bleibt die Volatilität an den Rohstoffmärkten damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor – mit weitreichenden Folgen für Energie, Landwirtschaft und die globale Konjunktur.

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