ANZEIGE

Shell-Projekt LNG Canada: Phase 2 steht vor finaler Investitionsentscheidung

Die Betreibergesellschaft des von Shell geführten LNG-Canada-Projekts könnte bereits im September oder Oktober grünes Licht für die milliardenschwere Phase-2-Erweiterung geben, welche die Kapazität auf 28 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln würde. Das Vo

3 Min
Shell-Projekt LNG Canada: Phase 2 steht vor finaler Investitionsentscheidung

Die Betreibergesellschaft des von Shell angeführten LNG-Canada-Vorhabens könnte bereits im September die Freigabe für die zweite Ausbaustufe erteilen. Wie drei mit der Sache vertraute Quellen gegenüber Reuters erklärten, könnte eine finale Investitionsentscheidung (FID) für die Phase-2-Erweiterung im September oder Oktober getroffen werden. Das milliardenschwere Vorhaben würde die Kapazität des Terminals im kanadischen Kitimat (Britisch-Kolumbien) auf 28 Millionen Tonnen pro Jahr (mtpa) verdoppeln.

Die erste Stufe von LNG Canada, deren Kosten bei rund 40 Milliarden kanadischen Dollar (C$) lagen, ist für eine Jahresproduktion von 14 mtpa über zwei Verarbeitungslinien konzipiert. Erst in diesem Jahr verließ die erste Fracht das Terminal, das seither als Fundament von Kanadas Bestrebungen gilt, sich zu einem gewichtigen globalen LNG-Exporteur aufzuschwingen. Die günstige Position an der Pazifikküste verleiht der Anlage einen deutlichen Wettbewerbsvorteil: Die Seewege zu den bedeutenden asiatischen Abnehmermärkten fallen deutlich kürzer aus als etwa für US-Exporteure an der Golfküste, die den Panamakanal durchqueren müssen.

Steigender Bedarf an Versorgungssicherheit

Der Zeitpunkt des möglichen Ausbaus kommt nicht von ungefähr. Weltweit wächst die Nachfrage nach zuverlässigen LNG-Quellen, speziell aus Asien. Hauptgründe sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten, Behinderungen der Schifffahrtsrouten im Roten Meer sowie die Ungewissheit über künftige Durchflussmengen durch die strategisch relevante Straße von Hormuz. Hinzu gesellen sich Produktionsausfälle bei großen Fördernationen und ein kräftiges langfristiges Nachfragewachstum aus Ländern, die Kohle durch sauberer verbrennendes Erdgas substituieren möchten. Diese Rahmenbedingungen machen neue LNG-Projekte und diversifizierte Bezugsquellen für Abnehmer zunehmend interessant.

LNG Canada wird als Joint Venture von Shell geführt. Weitere Gesellschafter sind Malaysias Petronas, PetroChina, Mitsubishi Corp und Korea Gas Corp. Es handelt sich um Kanadas ersten großen LNG-Exportterminal und zugleich um eine der größten privaten Investitionen des Landes. Die Anlage hat zudem die Unterstützung indigener Gemeinschaften in der Region erhalten.

Milliardenschwere Beteiligung der First Nations

Ein beachtlicher Punkt der Phase-2-Planung ist die Einbeziehung der lokalen First Nations. Anfang dieses Jahres unterzeichnete MNT Investments LP, das einen Zusammenschluss von fünf benachbarten First Nations vertritt, eine Vereinbarung. Diese räumt der Koalition die Option ein, bis zu eine Milliarde kanadische Dollar in die Erweiterung zu investieren. Es ist eine der größten Beteiligungsmöglichkeiten für indigene Gruppen an der kanadischen Energieinfrastruktur.

Shell selbst hält sich zum genauen Zeitplan bedeckt. „Wir arbeiten weiterhin mit den Joint-Venture-Partnern daran, Wege zu einer möglichen Phase-2-Erweiterung zu erkunden. Jede Entscheidung wird Faktoren wie Wettbewerbsfähigkeit und Erschwinglichkeit, staatliche Unterstützung sowie die Bedürfnisse der Interessengruppen berücksichtigen“, erklärte der Konzern auf Anfrage von Reuters.

Auch die Betreibergesellschaft LNG Canada betont, dass noch Hürden zu nehmen sind. „Jede potenzielle finale Investitionsentscheidung bleibt davon abhängig, dass die Teilnehmer des Joint Ventures ihre kommerziellen, fiskalischen, regulatorischen und governance-bezogenen Anforderungen unabhängig erfüllen“, hieß es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig zeigte man sich zuversichtlich: „Wir hoffen, eine Investitionsentscheidung vor Ende des Jahres zu treffen.“

Relevanz für den globalen LNG-Markt

Falls die Phase-2-Erweiterung wie erhofft genehmigt wird, würde sich Kanadas Stellung auf dem internationalen LNG-Markt spürbar verbessern. Das Land verfügt über immense Erdgasreserven, die bislang überwiegend in die USA exportiert wurden. Mit LNG Canada eröffnet sich nun der direkte Zugang zum asiatischen Markt, dem mit Abstand größten LNG-Absatzgebiet der Welt. Für deutsche und europäische Energieversorger ist das Projekt ebenfalls von Belang, da es zur Diversifizierung der globalen LNG-Versorgung beiträgt – ein Thema, das seit dem Wegfall russischer Pipeline-Gaslieferungen nach Europa höchste Priorität hat. Aus Sicht von Rohstoff-Anlegern bietet das Vorhaben zudem einen interessanten Hebel auf die langfristige Nachfrageentwicklung bei Erdgas als Brückentechnologie.

Lng CanadaShellFlüssigerdgasFIDKitimatAsienVersorgungssicherheitKanada

Meistgelesene News

  1. Millennium Silver leitet Drohnenvermessung bei Nevada-Silberprojekt ein
  2. Mais-Futures unter Druck: Dollarstärke und Rekordernte belasten die Preise
  3. Geheimmission auf dem Bosporus: Schattenflotte-Tanker mit russischem Öl unterwegs
  4. Trumps Exportbremse: Droht ein US-Verbot für Diesel und Benzin?
  5. BRICS-Staaten fordern Ende der Sanktionen – Auswirkungen auf Rohstoffmärkte

Disclaimer