Preisverdopplung bei Industriemetallen bis 2035 erwartet
Eine Coface-Studie prognostiziert für Kupfer und Nickel eine Preisverdopplung bis 2035, getrieben durch Angebotsdefizite von durchschnittlich 10% sowie strukturelle Engpässe bei Minenprojekten und zunehmende Handelsbeschränkungen – ein Szenario mit erhebl

Für Rohstoffanleger zeichnet sich bei Kupfer und Nickel ein vielversprechendes Jahrzehnt ab: Deren Notierungen könnten sich bis 2035 verdoppeln. Dies geht aus einer aktuellen Studie des internationalen Finanzdienstleisters Coface hervor. Als wesentliche Treiber identifiziert die Untersuchung den Bausektor, die Energietransformation sowie die zunehmende Elektrifizierung. Basis der Auswertung bilden Produktions-, Verbrauchs- und Preisdaten der London Metal Exchange, des US Geological Survey, der Weltbank sowie der Internationalen Energieagentur (IEA).
Laut der Analyse drohen bei Aluminium, Kupfer und Nickel bis zum Jahr 2035 Angebotsdefizite, die im Schnitt rund 10% des Bedarfs ausmachen. Die Ursache: Minengesellschaften tun sich schwer, rechtzeitig ausreichend neue Förderkapazitäten ans Netz zu bringen. Nach Einschätzung von Coface könnten diese Ungleichgewichte einen lang anhaltenden Bullenzyklus bei Industriemetallen einleiten.
„US-Zölle sind Teil eines viel größeren Wandels in der Art und Weise, wie Metalle gehandelt werden“, erklärte Marcos Carias, Nordamerika-Volkswirt bei Coface. „Regierungen beschränken den Metallhandel seit Jahren, und die Maßnahmen der USA erhöhen diesen Druck in einer Zeit, in der das Angebot bereits hinter der Nachfrage zurückbleibt.“
Angebotsausweitung bleibt hinter Nachfragewachstum zurück
Die Studiendaten offenbaren eine erhebliche Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. Für den Zeitraum bis 2035 wird prognostiziert, dass das Angebot bei Kupfer jährlich um 1%, bei Nickel um 1,5% und bei Aluminium lediglich um 0,4% zulegt. Die Nachfrage hingegen dürfte – folgt der Verbrauch dem Durchschnittstempo der vergangenen Dekade – für alle drei Metalle um rund 1,8% pro Jahr ansteigen. In einem Netto-Null-Emissionsszenario beschleunigt sich das Wachstum auf etwa 2,2% bei Aluminium und Kupfer sowie auf 4,5% bei Nickel.
Als Nachfragetreiber benennt Coface saubere Energietechnologien, Rechenzentren, Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher sowie den Stromnetzausbau. Technologien für saubere Energie könnten bis 2035 rund 35% der weltweiten Kupfer- und Nickelnachfrage stellen. Anders als bei kurzlebigen Rohstoffzyklen spiegele der Druck strukturelle Begrenzungen wider, die durch höhere Preise allein nicht rasch behoben werden können, so die Analysten.
Ein wesentlicher Grund für die angespannte Lage ist die lange Vorlaufzeit bei der Genehmigung von Bergbauvorhaben. Die Bearbeitungsdauer für neue Projekte beläuft sich der Untersuchung zufolge auf 15 bis 20 Jahre. Erschwerend kommen unsichere Explorationsergebnisse, geringe Anreize für Kapazitätserweiterungen im Bergbau sowie der Umstand hinzu, dass die Wertschöpfung stärker in Raffination und Weiterverarbeitung liegt als in der Rohstoffgewinnung selbst.
Handelsbarrieren spitzen die Situation zu
Eine weitere Belastungsebene stellen Handelsrestriktionen dar. Coface registrierte 1.138 aktive Import- und Exportbeschränkungen für Mineralien – mehr als das Dreifache der 357, die vor zehn Jahren verzeichnet wurden. Die im Vorjahr verhängten US-Zollmaßnahmen haben den Markt zusätzlich verengt. „Für Hersteller in den USA, Kanada und Mexiko bedeutet das, langfristig mit höheren Metallkosten zu planen, anstatt auf ein Handelsabkommen zu warten, das die Preise wieder senkt“, führte Carias aus.
Bei den einzelnen Metallen fallen die Defizitprognosen unterschiedlich aus. Coface schätzt, dass Kupfer um bis zu 17% unterversorgt sein könnte. Das Defizit an raffiniertem Kupfer könnte von 1,5 Millionen auf 6,5 Millionen Tonnen bis 2035 anwachsen, was rund 11% der prognostizierten Nachfrage entspricht. In einem Netto-Null-Szenario könnte die Versorgungslücke 17% erreichen.
Der Markt für raffiniertes Nickel könnte unter einem Netto-Null-Szenario mit einem Defizit von nahezu 35% der erwarteten Nachfrage konfrontiert sein, vor allem angetrieben durch die Batterieproduktion. Für Aluminium projiziert Coface eine Lücke zwischen 5 und 15 Millionen Tonnen, was etwa 10% der prognostizierten Nachfrage gleichkommt. Anders als bei Kupfer und Nickel wird diese jedoch durch industrielle und energetische Beschränkungen verursacht, nicht durch Ressourcenknappheit.
Die Analysten heben hervor, dass die künftige Preisentwicklung nicht allein vom Nachfragewachstum abhängt, sondern ebenso von der Fähigkeit der jeweiligen Metalllieferketten, auf entstehende Engpässe zu reagieren. Werden Angebotsverknappungen durch Produktionskosten oder Investitionsanreize ausgelöst, können steigende Preise zusätzliche Produktionskapazitäten stimulieren und das Marktgleichgewicht beschleunigen. Liegen die Beschränkungen hingegen in der Rohstoffverfügbarkeit, genügen höhere Preise nicht, um zusätzliches Angebot freizusetzen – was zu anhaltendem Preisdruck führt.
Für Rohstoffanleger und Minenaktien-Besitzer ist diese Analyse von erheblicher Relevanz, da Industriemetalle eine Schlüsselstellung in der Energiewende und der Elektromobilität einnehmen. Kupfer, Nickel und Aluminium finden sich in Stromnetzen, Batterien, Windkraftanlagen und Rechenzentren. Sollten sich die prognostizierten Defizite realisieren, dürften steigende Rohstoffkosten die Lieferketten durchziehen – ein Faktor, der die Kalkulation von Herstellern und die Bewertung rohstoffnaher Unternehmen über Jahre prägen könnte.
