Pazifik-Klimafonds erhält Millionen-Spritze, klaffende Finanzierungslücke bleibt
Die Pacific Resilience Facility erhielt frische Hilfszusagen von rund 15 Millionen Dollar, bleibt mit einem Bestand von knapp 200 Millionen aber weit unter dem avisierten Ziel von 500 Millionen – für Anleger ein Lehrstück über die Hürden der Klimafinanzie

Am Mittwoch haben unter anderem Fidschi und Irland zugesagt, rund 15 Millionen US-Dollar in einen Fonds einzuzahlen, der Projekte zur Klimaanpassung und -resilienz auf pazifischen Inseln unterstützt. Die zugesagten Summen bleiben jedoch deutlich hinter dem angestrebten Volumen der Pacific Resilience Facility (PRF) zurück. Die pazifischen Inselstaaten sind unmittelbar von ansteigenden Meeresspiegeln und unbeständigen Wetterphänomenen betroffen, beklagen jedoch eigenen Aussagen zufolge Hürden beim Zugang zu Mitteln aus internationalen Klimatöpfen.
Auf der vorgezogenen Klimakonferenz in Fidschi appellierten die Inselstaaten daher an die internationale Gemeinschaft, mehr Gelder bereitzustellen. „Jetzt ist der Augenblick, um zu investieren“, erklärte Mark Brown, Regierungschef der Cookinseln, vor den Tagungsteilnehmern. „Durch Ihre Investitionen gewinnen wir Zeit.“
Inselregierungen als Eigentümer, hohe Ambitionen
Die PRF gehört den Regierungen der Inselstaaten und peilt ein Fondsvolumen von 500 Millionen US-Dollar bis zum Abschluss der COP31 an – dem wichtigsten UN-Gremium zur Abstimmung von Klimaschutzmaßnahmen, das im November tagt. Mittel- bis langfristig ist ein Bestand von 1,5 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Die jüngsten Zusagen von Fidschi, Irland, den Niederlanden und Dänemark vom Mittwoch hätten das Fondsvermögen auf knapp unter 200 Millionen US-Dollar gehievt, teilte PRF-Geschäftsführerin Finau Soqo mit.
Wie das Pazifische Inseln-Forum mitteilte, stammt etwa die Hälfte dieser Gelder von den pazifischen Inselregierungen selbst sowie von Neuseeland und Australien. „Es braucht jetzt mehr“, betonte der australische Premierminister Anthony Albanese. „Jeder jetzt investierte Betrag wird einen Unterschied machen und dazu beitragen, dass die Kosten für Wiederherstellungsmaßnahmen morgen und in Zukunft niedriger ausfallen.“
Albanese war einer von Vertretern aus 30 Ländern, die am Dienstag die kleine Atollnation Tuvalu besuchten. Dort konnten sie beobachten, wie weißer Sand aus der Atoll-Lagune ausgebaggert wurde, um neues Land aufzuschütten, das höheren Fluten trotzen kann.
Erste Vorhaben bereits gestartet
Die PRF plant, ihr Kapital anzulegen und die Erträge nach einem Modell zu investieren, das Soqo als „Small Grants at Scale“ beschreibt. Die beiden ersten Projekte – die Sanierung eines von Frauen bewirtschafteten Taro-Felds mit Mangrovenbewuchs in Palau sowie die Wiederherstellung eines Grundwasserleiters aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in den Föderierten Staaten von Mikronesien – wurden in den letzten Monaten bewilligt. Seitdem habe die PRF zwölf weitere Vorhaben finanziert, so Soqo am Mittwoch.
Langfristig möchte die PRF neben staatlichen Gebern auch private Investoren gewinnen und schließlich durch die Emission eigener Anleihen an den internationalen Kapitalmärkten Geld aufnehmen. Soqo war früher eine leitende Bankerin bei ANZ, einer der großen australischen Banken.
Gefragt, ob die PRF ihr 500-Millionen-Dollar-Ziel im Rahmen des diesjährigen COP-Prozesses erreichen werde, zeigte sich Fidschis Klimaministerin Lynda Tabuya zuversichtlich. „Dies wird unser Beitrag zur COP31 sein, und wir hoffen, dass unsere globalen Führungspersönlichkeiten an Bord kommen, um uns zu unterstützen.“
Relevanz für die globale Klimafinanzierung
Für Anleger und Beobachter der internationalen Klimafinanzierung, auch aus dem deutschsprachigen Raum, illustriert der Fall der PRF anschaulich, wie herausfordernd die Kapitalmobilisierung für Klimaanpassungsmaßnahmen ist. Während große globale Fonds häufig schwer zugänglich sind, setzen die pazifischen Inselstaaten auf ein eigenes, regional gesteuertes Instrument. Der geplante Weg über Anleihenemissionen am internationalen Kapitalmarkt könnte das Modell auf lange Sicht auch für private Investoren attraktiv machen – sofern sich die Finanzierungslücke schließen lässt.
Ob die internationale Staatengemeinschaft auf der COP31 im November die erforderlichen Gelder bereitstellt, ist ungewiss. Fest steht: Bezogen auf das Ziel von 500 Millionen US-Dollar fehlen der PRF gegenwärtig noch über 50 Prozent des angestrebten Volumens.
