Ölpreise steigen 40 Prozent: Japan gibt strategische Reserven frei
Der Nahost-Konflikt lähmt die Straße von Hormus – Japan reagiert mit der Freigabe von 80 Millionen Barrel.

Der bewaffnete Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die globale Energieversorgung in eine ernste Krise gestürzt. Nach drei Wochen Kämpfen ist die Straße von Hormus faktisch gesperrt – eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Die Folge: Brent- und WTI-Futures sind im laufenden Monat um über 40 Prozent gestiegen und erreichten damit das höchste Preisniveau seit 2022.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor drastischen Folgen für das globale Angebot. Im März könnte die Versorgung um 8 Millionen Barrel pro Tag (bpd) sinken, während die Produktion in der gesamten Region bereits um mindestens 10 Millionen bpd zurückgegangen ist. Katar hat zudem den Betrieb seiner LNG-Anlagen eingestellt, was die Lage auf den Gasmärkten zusätzlich verschärft.
Japan greift auf strategische Reserven zurück
Als direkte Reaktion auf den Preisschock hat Japan die Freigabe von 80 Millionen Barrel seiner strategischen Ölreserven angekündigt. Das entspricht rund 45 Tagen des nationalen Verbrauchs und einer Reduzierung der Reserven um 17 Prozent. Die Freigabe erfolgt in zwei Phasen: Zunächst werden ab Montag privat gehaltene Bestände mobilisiert, gefolgt von staatlichen Reserven Ende des Monats.
Zusätzlich prüft Tokio die Mobilisierung von weiteren 12 Millionen Barrel aus gemeinsamen Beständen mit Saudi-Arabien, den VAE und Kuwait. Energieexperte Yuriy Humber von der Yuri Group bewertet den Schritt als notwendig, um Zeit zu gewinnen. Er betont jedoch, dass die Reserven eine dauerhafte Schließung der Straße von Hormus nicht vollständig kompensieren können.
Die militärische Lage bleibt hochgradig volatil. US-Präsident Donald Trump droht mit weiteren Angriffen auf den iranischen Exportknotenpunkt Kharg Island und fordert die Bildung einer multinationalen Marinekoalition zur gewaltsamen Öffnung der Meerenge. Der Iran antwortete mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Ziele in den VAE und Saudi-Arabien, darunter das Terminal in Fujairah sowie Anlagen in Ras Tanura und Abqaiq. Bislang wurden mindestens 16 Schiffe attackiert, die Zahl der Todesopfer nähert sich der Marke von 3.750.
Japan sucht Alternativen zum Nahen Osten
Parallel zur Reservenfreigabe treibt die japanische Regierung unter METI-Minister Ryosei Akazawa die Diversifizierung seiner Ölimporte voran. Japan bezieht derzeit rund 90 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten – eine gefährliche Abhängigkeit, die der Konflikt nun schonungslos offenlegt. Tokio prüft verstärkt Lieferungen aus den USA, Zentralasien und Südamerika.
Die USA positionieren sich dabei als verlässlicher Lieferant. Lee Zeldin, Administrator der US-Umweltschutzbehörde, verwies ausdrücklich auf die Sicherheit der Lieferketten aus Alaska. Derzeit bezieht Japan lediglich etwa 4 Prozent seines Öls aus den USA – ein Anteil, der nach dem weitgehenden Stopp russischer Importe infolge des Ukraine-Krieges 2022 bislang kaum gestiegen ist. Angesichts der aktuellen Krise dürfte sich das rasch ändern.
