Neue Elektromotoren ohne Seltene Erden
Veekim entwickelt alternative Technologien zur Reduzierung der Abhängigkeit von China

Die europäische Autoindustrie steht derzeit unter erheblichem Druck aufgrund der Abhängigkeit von Seltenen Erden, die größtenteils aus China importiert werden. Ein zentraler Bestandteil der Elektromotoren ist Neodym, ein Magnetmetall, das zu den Seltenen Erden zählt und fast ausschließlich aus China kommt. Dieser Rohstoff ist für die Leistungsfähigkeit der Motoren von entscheidender Bedeutung, und die europäische Industrie ist bestrebt, alternative Lösungen zu finden, um die Abhängigkeit von diesem Material zu reduzieren.
Das deutsche Unternehmen Veekim aus Hodenhagen hat einen möglichen Durchbruch in der Entwicklung von Elektromotoren erzielt, die ohne die traditionellen Seltenen Erden auskommen. Veekim setzt auf Ferritmagnete, die aus Eisenoxid bestehen und in der Vergangenheit als weniger leistungsfähig galten. Das Unternehmen behauptet jedoch, durch technologische Innovationen die Leistung ihrer Motoren signifikant verbessert zu haben. Nach drei Jahren Entwicklungsarbeit und Investitionen in Höhe von acht Millionen Euro sollen die neuen Motorkomponenten nun in der Optimierungsphase sein. Veekim arbeitet dabei mit zwei großen Automobilherstellern zusammen, deren Namen jedoch nicht bekannt gegeben wurden.
Die Experten sind gespannt auf die Ergebnisse dieser Entwicklungen. Stefan Bratzel vom Center Automotive Management (CAM) sieht Potenzial in Veekims Ansatz, betont jedoch, dass die Leistung der neuen Motoren im Vergleich zu bestehenden Technologien überzeugen muss. Auch Oliver Gutfleisch, Professor an der TU Darmstadt, zeigt sich grundsätzlich interessiert, stellt jedoch fest, dass Ferritmagnete in ihren physikalischen Eigenschaften den Neodym-Magneten überlegen sind. Dennoch könnte es möglich sein, dass ein gut gestalteter Motor mit Ferritmagneten die gleiche Leistung wie ein weniger optimierter Motor mit Seltene-Erden-Magneten erzielt.
China kontrolliert derzeit fast alle Aspekte der Seltene-Erden-Produktion, einschließlich Abbau, Raffination und Herstellung von Hochleistungsmagneten. Diese Monopolstellung nutzt China nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch. Im Juni verschärfte China die Exportregeln für Seltene Erden und verbot die Ausfuhr von Verarbeitungs-Technologien. Die Europäische Union reagierte auf diese Entwicklung mit dem Critical Raw Materials Act, der ab 2030 vorschreibt, dass nicht mehr als 70 Prozent des jährlichen Bedarfs eines strategischen Rohstoffs aus einem einzigen Drittstaat stammen dürfen.
Während Veekim an alternativen Ansätzen arbeitet, verfolgen andere Unternehmen unterschiedliche Strategien. Der Zulieferer ZF entwickelt einen Motor ohne Magnete, die US-Firma Niron Magnetics versucht, Eisennitrid-Magneten zu verbessern, und BMW testet Radnabenmotoren, die ebenfalls ohne Seltene Erden auskommen. Diese Entwicklungen sind Teil eines umfassenden Versuchs, die Abhängigkeit von China zu verringern und die Lieferketten in der Elektromobilität zu diversifizieren.
