Nel ernennt Wasserstoff-Experten Holum an die Konzernspitze
Nel ernennt Morten Holum zum neuen CEO; er löst Håkon Volldal spätestens am 1. Mai ab. Der Wasserstoffkonzern setzt damit auf Kontinuität und erschließt über Verteidigungsanwendungen ein neues Wachstumsfeld.

Der norwegische Wasserstoffspezialist Nel hat Morten Holum als neuen Vorstandsvorsitzenden designiert. Holum tritt die Nachfolge des aktuellen CEO Håkon Volldal an, und zwar spätestens am 1. Mai. Bereits ab dem 1. November übernimmt Finanzvorstand Kjell Christian Bjørnsen die Leitung des Unternehmens interimistisch. In dieser Übergangsphase fungiert der stellvertretende Finanzchef Torbjørn Berg als kommissarischer CFO.
Mit dieser Entscheidung reagiert der Konzern auf eine Phase, in der man eigenen Angaben zufolge bedeutende Aufträge an Land ziehen konnte und neue Geschäftsfelder erschließt. Holum genießt in der Branche hohes Ansehen: Er ist global in der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette aktiv und verfügt laut Nel über fundierte Marktkenntnisse sowie praktische Erfahrung mit Wasserstofftechnologien, Endkundenanwendungen und regulatorischen Vorgaben.
Die Einzelheiten
Holum kann auf ein breites berufliches Spektrum zurückblicken. Seit 2020 war er als Präsident und CEO von Hexagon Purus tätig. Im Jahr 2019 hatte er bei Hexagon die Position des Executive Vice President und Chief Operating Officer für das Composites-Segment inne. Zuvor bekleidete er Führungsrollen als CEO und CFO bei der Saferoad Group. Weitere berufliche Stationen umfassen die Unternehmen Norske Skog, Norsk Hydro und American Airlines.
Aufsichtsratschef Arvid Moss erläuterte die Auswahl mit den Qualitäten des designierten Konzernlenkers: „Holum bringt die umfassende internationale Erfahrung, Führungsstärke und den unternehmerischen Geist mit, die Nel in dieser Entwicklungsphase benötigt.“ Moss wies zudem darauf hin, dass Nel jüngst wichtige Aufträge von Collins Aerospace sowie einem führenden Technologiekonzern in den USA erhalten habe. Auch der Verteidigungssektor gewinne als potenzielles Wachstumsfeld zunehmend an Bedeutung, wie die jüngste Vereinbarung mit Rheinmetall zeige.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats hob die Passgenauigkeit der Personalentscheidung hervor: „Dank seiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit Industriekunden besitzt Morten genau das Anforderungsprofil, das wir gesucht haben, um die Strategie von Nel gemeinsam mit dem starken Führungsteam und der hervorragenden Belegschaft in Norwegen und den USA umzusetzen.“ Holum selbst äußerte sich zu seinem Amtsantritt mit Verweis auf die Substanz des Unternehmens: Nel verfüge über ein solides Fundament, erstklassige Technologie und tiefgreifende industrielle Kompetenz. „Ich sehe beträchtliche Möglichkeiten, die Marktposition des Unternehmens weiter auszubauen und langfristig Werte zu schaffen, während sich die Wasserstoffmärkte weiterentwickeln“, so Holum.
Vorgeschichte: Bisherige Entwicklung
Bereits am 13.10.2026 berichtete aktien.news über die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen Nel und dem deutschen Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall. Die Vereinbarung zielt darauf ab, gemeinsame Chancen bei der dezentralen Produktion erneuerbarer Kraftstoffe zu prüfen. Die Partnerschaft verbindet die Elektrolysetechnologie von Nel zur Herstellung von grünem Wasserstoff mit dem Giga-PtX-Konzept und der Systemintegrationskompetenz von Rheinmetall. Beide Unternehmen wollen skalierbare, modulare Lösungen für die lokale Produktion kohlenstoffarmer synthetischer Kraftstoffe evaluieren, die sowohl für Verteidigungs- als auch für kritische Infrastrukturanwendungen vorgesehen sind. Diese Kooperation bildet den unmittelbaren Kontext für die von Moss erwähnte „jüngste Ankündigung von Rheinmetall bei Nel“.
Am 15.07.2026 berichtete aktien.news über einen operativen Dämpfer: Nel erwirtschaftete im zweiten Quartal Erlöse von 182 Millionen NOK und blieb damit hinter der durchschnittlichen Analystenschätzung von drei Experten in Höhe von 186,67 Millionen NOK zurück. Der Umsatz lag zudem unter dem Vorjahreswert. Der Nettoverlust für das zweite Quartal betrug 189 Millionen NOK. Besonders belastend wirkte sich eine Vergleichszahlung von 70 Millionen NOK im Zusammenhang mit dem japanischen Industriegasekonzern Iwatani aus, die den EBITDA-Verlust auf 155 Millionen NOK ansteigen ließ.
Am 24.04.2026 ordnete aktien.news die Wasserstoffstrategie von Nel in einen übergreifenden Branchenkontext ein. Dem Bericht zufolge beschleunigt die globale Industrie ihren Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und setzt dabei auf zwei sich ergänzende Technologien: Wasserstoff und Batterien. Führende Unternehmen wie Nel ASA, CATL und Charbone Corporation verfolgten eine Doppelstrategie, die langfristige Energiespeicherung mit kurzfristiger Elektrifizierung kombiniert. Während sich die Batterietechnologie als Standard für kurzfristige Energiespeicherung etabliert habe, rücke Wasserstoff als unverzichtbare Ergänzung für die Langzeitspeicherung in den Mittelpunkt. In diesem Bericht kam auch der scheidende CEO Håkon Volldal zu Wort.
Bedeutung für Rohstoff-Anleger
Für Privatanleger mit Fokus auf den Rohstoff- und Energiesektor sendet die Personalie vor allem ein Kontinuitätssignal in einer von Unsicherheit geprägten Phase. Nel zählt zu den bekanntesten Akteuren im europäischen Wasserstoffmarkt, musste zuletzt jedoch operative Rückschläge hinnehmen — die Erlöse im zweiten Quartal unterschritten sowohl die Analystenprognose als auch den Vorjahreswert, der Nettoverlust fiel deutlich aus. Die Übergangslösung mit dem amtierenden CFO als Interims-CEO und dem Finanz-Vizepräsidenten als Interims-CFO stellt sicher, dass die Unternehmensführung bis zum Dienstantritt Holums handlungsfähig bleibt.
Besonders beachtenswert ist die strategische Richtung, die der Aufsichtsratsvorsitzende vorgibt: Moss nennt explizit die gewonnenen Aufträge von Collins Aerospace und einem führenden US-Technologieunternehmen sowie Verteidigungsanwendungen als potenzielles Wachstumsfeld. Damit gewinnt neben dem klassischen Wasserstoffgeschäft ein zweites Standbein an Kontur, das über die Rheinmetall-Kooperation bereits konkret fassbar ist. Holum bringt genau in diesem Bereich Erfahrung mit Industriekunden mit, was
