Lithium-Preisverfall gefährdet Ghanas erstes Bergbauprojekt
Verzögerungen bei Ratifizierung und schwache Nachfrage setzen Baupläne weiter unter Druck

Ghana steht vor der Herausforderung, dass der Preisverfall von Lithium das erste geplante Lithium-Bergbauprojekt des Landes in der Stadt Ewoyaa gefährden könnte. Der Leiter der ghanaischen Bergbauaufsichtsbehörde äußerte gegenüber Reuters seine Besorgnis, dass das Projekt möglicherweise gestoppt werden könnte. Im Oktober 2023 hatte Ghana dem australischen Bergbauunternehmen Atlantic Lithium eine 15-jährige Lizenz zur Errichtung der ersten Lithium-Mine des Landes erteilt. Der geplante Produktionsstart war für das vierte Quartal 2024 vorgesehen. Trotz der erteilten Umweltgenehmigung gibt es jedoch Verzögerungen bei der parlamentarischen Ratifizierung der Lizenz, was den Bauplan gefährdet und die Möglichkeiten zur Sicherung höherer Preise erschwert.
Der Vorsitzende der ghanaischen Mineralienkommission, Martin Ayisi, erklärte, dass das Ewoyaa-Projekt, das eine jährliche Produktion von etwa 360.000 Tonnen Lithium vorsieht, durch den aktuellen Preisverfall unter Druck stehe. Laut Ayisi würde die Produktion einer Tonne Lithiumkonzentrat etwa 650 US-Dollar kosten, während der Preis derzeit knapp über 700 US-Dollar liege. Dies sei besorgniserregend, da das Projekt bei anhaltend niedrigen Preisen möglicherweise weiter verzögert oder sogar gestoppt werden könnte. Der Preis für Lithium, das vor allem in Batterien für Elektrofahrzeuge verwendet wird, ist in den letzten zwei Jahren stark gefallen, da das Angebot die Nachfrage übertraf und die Verkäufe von Elektrofahrzeugen schwächer ausfielen als erwartet.
Ein weiterer Faktor, der die Dringlichkeit des Projekts erhöht, ist das Auftauchen von Alternativen zu Lithium in der Batterie- und Elektrofahrzeugindustrie. Ayisi betonte, dass es nicht nur ein Rennen gegen den Preis sei, sondern auch darum gehe, Lithium zu fördern, solange es kommerziell benötigt werde. Die Verzögerung der parlamentarischen Ratifizierung bereitet dem Unternehmen große Sorgen, da Investoren ungeduldig werden. Andere Regionen, wie der sogenannte Lithium-Dreieck sowie das benachbarte Mali, bieten möglicherweise attraktivere Bedingungen für Investoren, wenn Ghana zu lange zögert.
Ahmed-Salim Adam, der General Manager von Atlantic Lithium, erklärte gegenüber Reuters, dass der Baubeginn der Mine, der ursprünglich für Juli 2024 geplant war, auf das erste Quartal 2025 verschoben wurde. Grund hierfür sei die ausstehende parlamentarische Ratifizierung. Das Unternehmen benötige außerdem eine Betriebsgenehmigung von der Bergbauaufsichtsbehörde, bevor mit dem Bau begonnen werden könne. Der Bau werde voraussichtlich 22 Monate dauern. Adam warnte, dass die Investoren geduldig bleiben müssten, jedoch wachse ihre Ungeduld angesichts der Konkurrenzsituationen in anderen lithiumreichen Regionen.
