Křetínskýs EP Group erhält Zuschlag für deutsche Gaskraftwerkskapazitäten
Die EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský hat die erste Ausschreibungsrunde für zusätzliche Gaskraftwerke in Deutschland gewonnen, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Statt Neubauten setzt das Unternehmen auf die Umrüstung bestehender Br

Die erste Ausschreibungsrunde für zusätzliche Gaskraftwerke in Deutschland ist an die EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský gegangen. Das berichtet die Wirtschaftswoche. Der Zuschlag erfolgt in einer Phase, in der die Bundesrepublik ihren Umbau der Stromerzeugung mit hohem Tempo vorantreibt und dringend gesicherte Erzeugungskapazitäten benötigt.
Eine Überraschung war dieses Ergebnis nicht. Laut Wirtschaftswoche hatte sich der Ausgang der Ausschreibung in den Tagen zuvor bereits abgezeichnet. Wer den deutschen Energiemarkt aufmerksam verfolgt, konnte somit früh abschätzen, wohin die erste Runde führen würde.
Bemerkenswert erscheint vor allem die Strategie der EP Group. Anstatt neue Gaskraftwerke zu bauen, konzentriert sich das Unternehmen auf die Umrüstung vorhandener Braunkohlekraftwerke in Gaskraftwerke. Der Verzicht auf einen Neubau gilt in diesem Kontext als Wettbewerbsvorteil. In dem Bericht wird sogar von einem Trick gesprochen.
Die EP Group stellt bestehende Braunkohlekraftwerke auf Gasbetrieb um
Der Unterschied zwischen Umrüstung und Neubau erschließt sich Außenstehenden nicht sofort, ist für eine Ausschreibung jedoch ausschlaggebend. Wer eine bestehende Anlage weiter betreibt und technisch umbaut, kann auf die bereits vorhandene Infrastruktur am Standort zurückgreifen. Ein vollständig neues Kraftwerk hingegen muss den kompletten Weg von der Planung bis zur Inbetriebnahme durchlaufen.
Für die EP Group markiert der Zuschlag den Einstieg in ein Segment, das derzeit politisch stark unterstützt wird. Die Bundesregierung möchte die Versorgungslücke schließen, die aus dem Atomausstieg und dem schrittweisen Kohleausstieg resultiert. Gaskraftwerke gelten dabei als Brückentechnologie, da sie im Vergleich zu Kohlekraftwerken emissionsärmer und flexibel betreibbar sind.
Der Bericht der Wirtschaftswoche ist auf den 3. November 2026 datiert. Zu diesem Zeitpunkt war der Ausgang der Runde nach Angaben des Blattes bereits erwartet worden. Für den Investor Křetínský ist Deutschland damit ein weiteres Standbein neben seinen bestehenden Aktivitäten im Land.
Deutschland schreibt seit 2026 eine Gaskraftwerksleistung von zwölf Gigawatt aus
Der Hintergrund der Ausschreibung reicht bis in den Januar 2026 zurück. Am 16.01.2026 meldete aktien.news, dass die Bundesregierung mit der EU-Kommission eine Grundsatzeinigung über den Bau neuer Gaskraftwerke erzielt hatte. Ab 2026 sollten Kraftwerkskapazitäten mit einer Gesamtleistung von zwölf Gigawatt ausgeschrieben werden. Die milliardenschwere staatliche Förderung galt in der damaligen Berichterstattung als wichtiger Schritt für die deutsche Energiewende.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hob damals hervor, die Einigung ebne den Weg für eine gesicherte Stromversorgung und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Die neuen Kraftwerke sollten die Lücke schließen, die durch den Atomausstieg und den schrittweisen Kohleausstieg entsteht. Gerade für energieintensive Industrieunternehmen sei eine zuverlässige Stromversorgung entscheidend. Die jetzt entschiedene Runde ist Bestandteil dieses Vorhabens.
Auch die Personalie Křetínský ist hierzulande kein neues Thema. Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass die EP-Gruppe ein Angebot für den Energiekonzern Uniper vorgelegt hat und offensiv um die deutsche Öffentlichkeit wirbt. Dafür lud das Unternehmen deutsche Journalisten in ein Berliner Hotel am Potsdamer Platz ein. Nach eigenen Angaben strebt die Holding 75 Prozent an Uniper an. Der Bund hält derzeit 99,12 Prozent an Uniper und muss die Mehrheit aufgrund einer EU-Auflage verkaufen. Die EU-Kommission fordert den Verkauf der Mehrheit bis Ende 2028, wobei der Bund 25 Prozent plus eine Aktie behalten darf. Das Rennen um Uniper ist hart umkämpft.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch außerhalb Deutschlands. Am 23.09.2026 berichtete aktien.news über den polnischen Energieversorger Tauron, der den Umbau seines Kohlekraftwerks Siersza plant. Mit Investitionen von bis zu 3,5 Milliarden Zloty (rund 919 Millionen US-Dollar) sollte der Standort grundlegend transformiert werden. Die Umstrukturierung umfasste den Zubau von Gas-, Speicher- und Solarkapazitäten. Das gesamte Projektportfolio am Standort Siersza umfasst eine neue Kapazität von bis zu 800 Megawatt. Der Umbau bestehender Kohlekraftwerke ist folglich kein Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Entwicklung in Europa.
Auch die Netzseite spielt eine Rolle. Am 14.02.2026 berichtete aktien.news über den Streit um knappe Netzanschlüsse in Deutschland. E.On-Chef Leonhard Birnbaum erklärte damals: "Wir drängen darauf, dass Anlagen, die den Kunden keinen Wert bringen, sondern die meiste Zeit abgeregelt sind, beim Netzanschluss anders behandelt werden." Für Betreiber neuer oder umgerüsteter Kraftwerke bildet der Zugang zum Netz eine zentrale Voraussetzung.
Anleger richten ihr Augenmerk vor allem auf die Regulierung
Für deutsche Privatanleger lässt sich die Nachricht vor allem als Signal interpretieren. Der Zuschlag belegt, dass der Staat den Bau und die Umrüstung von Gaskraftwerken aktiv fördert und dafür erhebliche Mittel bereitstellt. Wer in Energieunternehmen investiert, sollte daher die politischen Rahmenbedingungen genauso im Blick behalten wie die operativen Kennzahlen der Unternehmen.
Zweitens zeigt sich, dass der Wettbewerb um deutsche Energieinfrastruktur internationaler wird. Mit Křetínský ist ein Investor aktiv, der bereits ein Angebot für Uniper abgegeben hat und nun auch bei Gaskraftwerken zum Zuge kommt. Derartige Konstellationen können den Wettbewerb um Übernahmen und Ausschreibungen verschärfen.
Drittens lohnt sich ein Blick auf die Unterscheidung zwischen Neubau und Umrüstung. Diese ist nicht nur technisch von Bedeutung, sondern auch wirtschaftlich: Bestehende Standorte können schneller an den Start gehen, während Neubauten längere Vorlaufzeiten benötigen. Wie sich dieses Muster auf die Ausschreibungsergebnisse auswirkt, lässt sich anhand der ersten Run
