Italien fordert Ende der CO2-Kosten in Strompreisen
Melonis Regierung will Energiekosten für die Industrie senken und gerät damit in Konflikt mit dem EU-Green-Deal.

Italien steuert auf eine direkte Konfrontation mit der Europäischen Kommission zu. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat vorgeschlagen, die CO2-Kosten aus den Großhandelspreisen für Elektrizität herauszurechnen. Damit würde eine zentrale Säule des europäischen Green Deals ausgehebelt werden.
Hintergrund ist der massive Druck der italienischen Industrie auf die Regierung in Rom. Hersteller klagen seit Monaten, dass die anhaltend hohen Energiepreise ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit untergraben. Im europäischen Vergleich zählt Italien zu den Ländern mit besonders hohen Industriestrompreisen.
Konflikt mit dem EU-Emissionshandel
Das europäische Emissionshandelssystem (ETS) verpflichtet Energieerzeuger, für den Ausstoß von CO2 Zertifikate zu erwerben. Diese Kosten werden traditionell an die Stromkunden weitergegeben und schlagen sich direkt in den Großhandelspreisen nieder. Italiens Vorschlag würde diesen Mechanismus faktisch außer Kraft setzen.
Brüssel dürfte den italienischen Vorstoß scharf ablehnen. Das ETS gilt als Kerninstrument der EU-Klimapolitik und soll Anreize für den Umstieg auf erneuerbare Energien schaffen. Eine Aufweichung durch einzelne Mitgliedstaaten würde den gesamten Rahmen des Green Deals gefährden.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist der Konflikt von Bedeutung: Sollte Italien mit seinem Vorstoß Erfolg haben, könnten andere EU-Länder ähnliche Forderungen stellen. Das würde den CO2-Zertifikatepreis unter Druck setzen und die Planungssicherheit für Investitionen in saubere Energietechnologien verringern.
