Rosneft Deutschland bleibt unter Bundesnetzagentur-Treuhandverwaltung
Die Bundesregierung verlängert die staatliche Kontrolle über Rosneft Deutschland auf neuer gesetzlicher Grundlage.

Die Bundesnetzagentur übernimmt weiterhin die Treuhandverwaltung der deutschen Rosneft-Töchter. Das Wirtschaftsministerium bestätigte am Samstag in Berlin, dass die neue Anordnung die Firmen Rosneft Deutschland GmbH sowie RN Refining & Marketing GmbH umfasst. Damit sichert der Bund seinen Einfluss auf einen bedeutenden Teil der deutschen Raffinerie-Infrastruktur.
Konkret erhält die Bundesnetzagentur die Kontrolle über die Rosneft-Anteile an drei Raffinerien: PCK Schwedt in Brandenburg, MiRo in Karlsruhe und Bayernoil in Vohburg an der Donau. Insgesamt entfallen auf Rosneft Deutschland rund 13 Prozent der gesamten deutschen Erdölverarbeitungskapazität. Besonders kritisch ist die Versorgungssicherheit für Berlin und Brandenburg, die maßgeblich vom Standort Schwedt abhängen.
Die EU-Kommission hatte erst kurz zuvor grünes Licht gegeben: Brüssel entschied, dass der Bund dauerhaft die Kontrolle über Rosneft Deutschland übernehmen darf – ohne wettbewerbsrechtliche Einwände. Diese Entscheidung schaffte die Grundlage für die nun vollzogene Neuordnung.
Neue Rechtsgrundlage durch EU-Sanktionspaket
Die aktuelle Treuhandverwaltung basiert auf einer Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes. Auslöser war das 18. EU-Sanktionspaket gegen Russland vom Juli 2025. Ohne diese gesetzliche Anpassung wären EU-Töchter von sanktionierten russischen Muttergesellschaften automatisch selbst unter die EU-Sanktionen gefallen – mit gravierenden Folgen für die Energieversorgung.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der Bund die Rosneft-Töchter bereits 2022 unter staatliche Treuhandverwaltung gestellt. Gleichzeitig entschied die damalige Bundesregierung, auf russisches Pipeline-Öl zu verzichten, das PCK Schwedt jahrzehntelang beliefert hatte. Bislang wurde die Treuhandverwaltung halbjährlich verlängert, zuletzt bis zum 10. März 2026.
Für Privatanleger, die in den deutschen Energie- oder Raffineriesektor investieren, unterstreicht die Entwicklung die anhaltende staatliche Einflussnahme auf kritische Infrastruktur. Die Versorgungssicherheit bleibt ein zentrales politisches Ziel – mit direkten Auswirkungen auf Marktstrukturen und Wettbewerbsbedingungen in der Branche.
