IEA senkt Ölnachfrage-Prognose 2026 drastisch nach unten
Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 einen Rückgang der Ölnachfrage – ein historischer Einbruch durch die Hormus-Krise.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihren aktuellen Monatsbericht vorgelegt – und das Bild, das er vom globalen Ölmarkt zeichnet, ist alarmierend. Statt eines Nachfrageanstiegs rechnet die Behörde für 2026 nun mit einem Rückgang von 80.000 Barrel pro Tag. Gegenüber dem Vormonat entspricht das einer Abwärtsrevision von 730.000 Barrel täglich.
Besonders drastisch fällt der Ausblick für das zweite Quartal aus: Die IEA erwartet dort einen Nachfragerückgang von 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Das wäre der schärfste Einbruch seit der Corona-Pandemie. Die Agentur warnt, diese sogenannte „Nachfragezerstörung" werde sich weiter ausbreiten, sollten Knappheit und hohe Preise anhalten.
Auch auf der Angebotsseite hat die IEA ihre Prognose deutlich revidiert. Für das Gesamtjahr erwartet sie nun einen Rückgang des Angebots um 1,5 Millionen Barrel pro Tag – noch im März hatte sie ein Plus prognostiziert. Bereits damals hatte die Behörde festgestellt, dass die globale Versorgung mit Ölprodukten so stark gestört sei wie nie zuvor.
Straße von Hormus als zentraler Engpass
Als entscheidenden Flaschenhals identifiziert die IEA die Straße von Hormus. Anfang April wurden dort lediglich rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag an Rohöl, Flüssiggasbestandteilen und Ölprodukten verladen. Vor Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar waren es noch mehr als 20 Millionen Barrel täglich gewesen. Trotz alternativer Transportrouten beläuft sich der Gesamtverlust bei den Ölexporten inzwischen auf mehr als 13 Millionen Barrel pro Tag.
IEA-Chef Fatih Birol machte in Washington deutlich, dass der April für Energiemärkte und die Weltwirtschaft noch schwieriger werden könnte als der März. Im März seien noch Lieferungen angekommen, die lange vor Beginn der Krise verladen worden seien. Im April hingegen sei „nichts verladen worden". Die IEA betont, eine Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus sei der wichtigste Faktor, um Preise, Versorgung und Wirtschaft zu entlasten.
Raffinerien konkurrieren um knappes Ersatzöl
Die unterbrochenen Ölströme aus dem Nahen Osten haben einen intensiven Wettbewerb ausgelöst: Asiatische und europäische Raffinerien kämpfen derzeit um Ersatzlieferungen aus Europa und Afrika. Dieser Konkurrenzdruck hat die Preise für physisches Rohöl stark in die Höhe getrieben.
Zu Wochenbeginn verschärfte eine teilweise Blockade der Straße von Hormus durch die USA die Lage zusätzlich. Der Preis für Nordsee-Rohöl der Sorte Forties – gefördert vor der britischen Küste – kletterte auf knapp 149 Dollar je Barrel und übertraf damit das bisherige Rekordhoch aus der Finanzkrise 2008.
Bemerkenswert ist dabei die Spreizung zwischen physischem Markt und Terminmarkt. Während sofort verfügbares Rohöl zu rund 149 Dollar gehandelt wird, notiert Rohöl mit Lieferung im Juni an den Terminmärkten bei etwa 100 Dollar. Diese Differenz spiegelt die akute Versorgungskrise wider – an den Terminmärkten wird hingegen noch auf eine gewisse Entspannung in der Zukunft gesetzt.
