Goldman Sachs schraubt Ölpreisziele nach oben: Brent soll im Dezember 105 Dollar erreichen
Wegen hoher Gefahr von Lieferausfällen durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten rechnet Goldman Sachs im Dezember mit 105 Dollar je Barrel Brent und 94 Dollar je Barrel WTI. Für 2027 liegen die neuen Durchschnittsschätzungen bei 88 beziehungswei

Goldman Sachs hat seine Preisziele für Rohöl für den Dezember und für das Jahr 2027 nach oben gesetzt. Die US-Investmentbank führt als wichtigsten Grund die große Gefahr von Lieferausfällen an, die sich aus den Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine sowie im Nahen Osten ergibt. Nach Auffassung der Bank schlagen die Märkte einen höheren Risikoaufschlag ein, da zahlreiche Händler einen dauerhaften diplomatischen Durchbruch für schwer erreichbar halten.
Die Korrektur geht auf einen Bericht unter der Federführung des Strategen Daan Struyven zurück. Darin erklärt Goldman Sachs, die Konflikte im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine sowie die weiter reichende geopolitische Zersplitterung erzeugten ein hohes Unterbrechungsrisiko. Da sich Zeitpunkt und Ort von Störungen kaum vorhersagen ließen, kalkuliere der Basisfall des Instituts nun eine weltweite Versorgungslücke von 1 mb/d im Jahr 2027 ein.
Konkret liegt die neue Prognose für die Nordseesorte Brent im Dezember bei 105 US-Dollar pro Barrel und damit 15 Dollar über den zuvor genannten 90 US-Dollar. Für die US-Referenzsorte WTI nennt die Bank für Dezember nun 94 US-Dollar pro Barrel. Ebenfalls angehoben wurden die Jahresdurchschnitte für 2027: Sie betragen jetzt 88 US-Dollar pro Barrel für Brent und 78 US-Dollar pro Barrel für WTI, nach bislang 80 beziehungsweise 73 US-Dollar pro Barrel.
Goldman Sachs setzt die Brent-Notierung für Dezember bei 105 US-Dollar an
Der Aufwärtsschritt ist kräftig ausgefallen. Bei Brent-Rohöl wächst die Dezember-Schätzung um 15 US-Dollar pro Barrel, bei WTI liegt sie bei 94 US-Dollar pro Barrel. Für das Gesamtjahr 2027 übertrifft die neue Brent-Annahme von 88 US-Dollar pro Barrel den alten Wert von 80 US-Dollar, während die WTI-Schätzung von 73 auf 78 US-Dollar pro Barrel klettert.
Bemerkenswert ist, dass das Institut die Unterbrechung nicht länger nur als Risikoszenario führt, sondern in seinen Basisfall einbaut. Goldman Sachs begründet diesen Schritt damit, dass sich Zeitpunkt und Ort möglicher Störungen kaum vorhersagen lassen. Anstatt einzelne Ereignisse zu prognostizieren, veranschlagt die Bank deshalb pauschal eine weltweite Versorgungslücke von 1 mb/d für 2027.
Bereits im Frühjahr 2026 hatte Goldman Sachs die Ölprognosen mehrfach nach oben korrigiert
Die jüngste Anhebung reiht sich in eine längere Folge von Korrekturen ein. Schon am 13.03.2026 meldete aktien.news, dass Goldman Sachs die Preisziele für Brent und WTI für das vierte Quartal 2026 angehoben hatte – Brent sollte demnach im Mittel 71 Dollar pro Barrel erreichen, nach zuvor 66 Dollar, WTI 67 Dollar nach zuvor 62 Dollar. Zum damaligen Zeitpunkt notierte Brent am Donnerstagmorgen bei 100,13 US-Dollar pro Barrel und steuerte auf ein Wochenplus von rund 8 Prozent zu; am Montag davor hatte Brent mit 119,50 Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit Mitte 2022 markiert.
Am 27.04.2026 berichtete aktien.news über zwei weitere Anhebungen. Auslöser war eine langsamer als erwartet verlaufende Erholung der Rohölexporte aus dem Persischen Golf, nachdem Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus den Markt erschüttert hatten. Damals ging die Bank davon aus, dass Brent im vierten Quartal 2026 im Schnitt 90 Dollar pro Barrel kosten würde – nach zuvor 80 Dollar – und hob die WTI-Schätzung von 75 auf 83 Dollar an. Auch die Prognosen für 2027 wurden seinerzeit nach oben gesetzt, auf 85 Dollar für Brent und 80 Dollar für WTI. Am Montag notierten die Brent-Futures bei 107,60 Dollar.
Am 13.07.2026 meldete aktien.news, dass Goldman Sachs ihre langfristige Ölpreisprognose um 9 US-Dollar pro Barrel auf 76 Dollar anhob – auf dem Höhepunkt des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Als wichtigsten Grund nannte das Institut eine höhere strukturelle Sicherheitsprämie, die in die Ölmärkte eingepreist werde. Analystin Alexandra Paulus erläuterte gegenüber Investoren, die jüngste Rallye am Ölmarkt sei durch Angriffe auf Tanker sowie erneute militärische Schläge zwischen den USA und dem Iran ausgelöst worden. Paulus zufolge zeige dies, „wie entscheidend die Ölströme durch die Straße von Hormus kurzfristig für die Preise bleiben".
Für Rohstoff-Anleger hierzulande steht das Risiko von Lieferausfällen im Vordergrund
Wer in Deutschland in Rohstoffe investiert, spürt die Ölprognosen vor allem über deren Einfluss auf Energiepreise, Inflation und die breiten Aktienmärkte. Zieht der Ölpreis an, werden Rohstoffe und Kraftstoffe teurer, was die Inflationsraten bewegen kann. In seinem Bericht betont Goldman Sachs ausdrücklich, dass die Schätzungen auf einem Basisfall mit einer pauschalen Unterbrechung von 1 mb/d beruhen – und nicht auf einer konkreten Vorhersage einzelner Ereignisse.
Die Bank weist darauf hin, dass sich Zeitpunkt und Ort von Unterbrechungen nahezu unmöglich vorhersagen lassen. Genau aus dieser Unsicherheit heraus wurden die Prognosen angehoben. Anleger sollten im Blick behalten, dass es sich um Schätzungen handelt, die sich mit der geopolitischen Lage verändern können. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Goldman Sachs rechnet auch 2027 mit anhaltender geopolitischer Unsicherheit
Der Ausblick der Bank reicht bis 2027. Für das Gesamtjahr erwartet Goldman Sachs nun einen Brent-Durchschnittspreis von 88 US-Dollar pro Barrel und einen WTI-Durchschnittspreis von 78 US-Dollar pro Barrel. Zugrunde liegt die Annahme einer weltweiten Versorgungslücke von 1 mb/d im Jahr 2027. Für Dezember 2026 nennt die Bank 105 US-Dollar für Brent und 94 US-Dollar für WTI.
Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hängt nach Einschätzung der Bank entscheidend vom weiteren Verlauf der Konflikte im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine ab. Ein dauerhafter diplomatischer Durchbruch gilt bei vielen Händlern als schwer erreichbar. Wann sich die Lage entspannen könnte, lässt der Bericht offen.
Drei zentrale Begriffe aus dem Artikel werden im Folgenden erklärt
- Brent: Bei Brent handelt es sich um eine Rohölsorte aus der Nordsee, die als wichtige Referenz für d
