UBS prognostiziert Silberpreis von 80 Dollar bis Herbst 2027
Die UBS erwartet einen Silberpreis von 80 US-Dollar bis September 2027, getrieben durch KI-Nachfrage und Angebotsdefizite. Für Rohstoff-Anleger gilt: Kursrückgänge selektiv nutzen, aber die hohe Volatilität im Auge behalten.

Das weiße Edelmetall gerät kurzfristig unter Druck. Die Notenbanken lockern ihren geldpolitischen Kurs nicht, was den Silberpreis belastet. Die Vermögensverwaltungssparte der UBS hält jedoch an ihrer optimistischen mittelfristigen Einschätzung fest.
Giovanni Staunovo, Stratege im Chief Investment Office der Großbank, erwartet in einer aktuellen Analyse, dass die Notierung für eine Feinunze Silber bis Ende 2027 auf 80 US-Dollar klettern wird. Als zentrale Argumente führt das Institut die wachsende Nachfrage aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie anhaltende strukturelle Lücken auf der Angebotsseite an.
Basis der Vorhersage ist der aktuelle Spotpreis von 55,90 US-Dollar je Unze, gemessen am 22. Oktober. Ausgehend von diesem Wert rechnet die UBS mit einem Anstieg auf 70,00 US-Dollar bis Dezember 2026. Im weiteren Verlauf soll der Preis bis Mitte 2027 auf 75,00 US-Dollar steigen und schließlich im September 2027 das Niveau von 80,00 US-Dollar erreichen.
Die Einzelheiten
Staunovo charakterisiert Silber als Anlageform, die sich wie eine gehebelte Variante des Goldpreises verhalte. „Silber verhält sich weiterhin wie eine Version von Gold mit höherer Beta, profitiert und leidet unter vielen derselben makroökonomischen Kräfte", so der Experte. Konkret bedeutet dies: Das Metall orientiert sich an der Goldpreisentwicklung, reagiert jedoch in beide Richtungen überproportional stark.
Der Analyst der UBS weist zugleich auf heftige Preisschwankungen hin. Veränderungen der Realzinsen, die Entwicklung des US-Dollars sowie restriktive geldpolitische Maßnahmen dürften für anhaltende Volatilität sorgen. Genau diese Faktoren haben zuletzt den Verkaufsdruck auf Silber erhöht.
Auf der Nachfrageseite zeigen sich die industriellen Rahmenbedingungen durchwachsen. Die hohen Preise haben Substitutionsprozesse und Einsparungen beschleunigt – vor allem im Bereich der Photovoltaik. Das Silver Institute geht daher davon aus, dass die gesamte industrielle Fertigungsnachfrage im Jahr 2026 um rund 2 Prozent zurückgehen wird.
Diesem negativen Trend stehen langfristige Wachstumsimpulse in anderen Segmenten gegenüber. Die UBS verweist auf den Bau von Rechenzentren, KI-Hardware, Investitionen in Stromnetze sowie die Fahrzeugelektronik. Diese Bereiche dürften den Rückgang in der Solartechnik kompensieren.
Auf der Angebotsseite haben sich die sekundären Recyclingmengen als Reaktion auf die gestiegenen Marktpreise erhöht. Die gesamte Minenförderung wächst jedoch kaum. Da Silber überwiegend als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Blei, Zink, Kupfer und Gold anfällt, stoßen Bergbauunternehmen auf strukturelle Grenzen. Eine schnelle Ausweitung der Produktion zur Nutzung der hohen Preisniveaus ist daher kaum möglich.
Vor diesem Hintergrund sagt die UBS voraus, dass der globale Silbermarkt im Jahr 2026 bereits das sechste Jahr in Folge ein Angebotsdefizit verzeichnen wird.
Bisherige Entwicklungen im Überblick
Die aktuelle Prognose reiht sich in eine Serie von Anpassungen ein. Bereits am 30.04.2026 hatte die UBS ihre Silberpreiserwartungen für mehrere Zeiträume deutlich nach unten korrigiert. Begründet wurde dies damals mit einer schwächeren Investmentnachfrage, einem geringeren industriellen Verbrauch sowie einem höheren Minenangebot. Der Spotpreis lag zu jener Zeit bei rund 73,80 US-Dollar.
Konkret senkte die UBS damals die Prognose für Ende Juni von 100 auf 85 US-Dollar, das Septemberziel von 95 auf 85 US-Dollar und das Dezemberziel von 85 auf 80 US-Dollar. Für März 2027 wurde ein Preis von 75 US-Dollar erwartet, nach zuvor 85 US-Dollar. Grund der Revision war eine Neubewertung des Marktgleichgewichts.
Am 13.07.2026 wurde über die Doppelrolle von Silber berichtet. Während Gold überwiegend als Wertaufbewahrungsmittel dient, vereint Silber diese Funktion mit einer breiten industriellen Nutzung. Vor allem Solarmodule und KI-Chips machen das Metall zu einem unverzichtbaren Rohstoff. Diese industrielle Komponente verleiht Silber eine eigene Dynamik – und zugleich eine besonders hohe Volatilität.
Am 06.10.2026 wurde eine gegensätzliche Einschätzung der Deutschen Bank veröffentlicht. Deren Analyst Daniel Ghali warnte davor, dass der Silbermarkt von der Knappheit in ein Überangebot umschlagen könnte – möglicherweise bereits im kommenden Jahr. Steigende Lagerbestände und eine rückläufige Industrienachfrage dürften den Preis belasten. Die Spotkurse könnten bis zum zweiten Quartal 2027 im Schnitt bei 70 US-Dollar je Unze liegen. Zu Beginn der Handelswoche notierte Silber laut Trading Economics bei 60,99 US-Dollar je Unze. Seit Jahresbeginn 2026 hatten die Kurse um rund 14 Prozent zugelegt.
Auch für Gold liegt eine aktuelle UBS-Prognose vor. Am 07.08.2026 wurde berichtet, dass die Bank für die erste Jahreshälfte 2027 mit einem Goldpreis von 5.000 US-Dollar je Unze rechnet. Damals notierte Gold bei rund 4.295 Dollar – deutlich unter dem Rekordhoch von 5.594,82 Dollar Ende Januar, was einem Rückgang von etwa 23 Prozent entspricht.
Bedeutung für Rohstoff-Anleger
Für Anleger, die auf Edelmetalle und Rohstoffe setzen, liefert die UBS-Einschätzung vor allem eine Risikoeinordnung. Die Bank rät ausdrücklich davon ab, Preissteigerungen hinterherzulaufen. Stattdessen empfiehlt sie eine selektive Vorgehensweise: Kursrückgänge, die durch Zinserwartungen ausgelöst werden, sollten zum Aufbau von Positionen genutzt werden.
Anleger sollten die hohe Volatilität von Silber stets im Blick behalten. Die UBS benennt drei wesentliche Abwärtsrisiken für ihre Preisprognose: anhaltende Zinserhöhungen der Zentralbanken, eine stärkere globale Konjunkturabkühlung sowie eine schnellere industrielle Substitution als bislang angenommen.
Bemerkenswert ist die Uneinigkeit der Institute. Während die UBS mittelf
