Gold auf dem Weg zur neuen Leitwährung für Rohstoffportfolios
Gold entwickelt sich zunehmend von der reinen Krisenabsicherung zum ernsthaften Konkurrenten von Staatsanleihen und dem Dollar – mit weitreichenden Folgen für Rohstoff-Anleger.

Die zunehmende Bedeutung des Goldes als monetäre Alternative zu Staatsanleihen und zur Leitwährung USD könnte einen grundlegenden Trend einläuten – mehr als bloß einen weiteren zyklischen Aufschwung. Zu diesem Schluss kamen Sprott-Managing-Partner John Hathaway und Incrementum-Partner Ronald-Peter Stöferle am 22. September auf dem Precious Metals Summit in Beaver Creek, Colorado.
Die beiden Fachleute verwiesen auf die anhaltenden Käufe der Notenbanken, die voranschreitende Abkehr vom Dollar sowie die Fähigkeit des Goldes, sich seit 2022 selbst bei steigenden Bondrenditen zu behaupten. Stöferle zufolge lautet die Schlüsselfrage für Investoren, ob sich Gold in einem gewöhnlichen Zyklus oder in einem weitreichenderen „Remonetisierungszyklus“ bewege. Die Indizien deuteten immer stärker auf Zweiteres hin.
Für Rohstoff-Anleger in Deutschland hat diese Einschätzung Gewicht, da sie die klassische Funktion von Gold im Depot infrage stellt. Bislang diente das Edelmetall vornehmlich als Schutzschild gegen Inflation und Turbulenzen. Sollte es jedoch vermehrt als ernstzunehmende Option zu Staatsanleihen und dem Dollar betrachtet werden, verändert sich sein Stellenwert im Portfolio grundlegend.
Nachlassendes Vertrauen in festverzinsliche Papiere
Hathaway wies darauf hin, dass das gewandelte Verhältnis zwischen Gold und Anleihen auf ein sinkendes Vertrauen in festverzinsliche Wertpapiere als sichere Anlagen hindeute. Gleichzeitig sei die Beteiligung von institutionellen wie privaten Marktteilnehmern am Goldsektor erstaunlich gering. Daraus leite sich ein erhebliches Potenzial für Mittelzuflüsse in physisches Gold und Minenaktien ab, sofern traditionelle Depots beginnen, Anleihen den Rücken zu kehren.
Beide Experten waren sich zudem einig, dass Goldproduzenten trotz erheblich verbesserter Bilanzen, Margen und Cashflows im Vergleich zum Vorjahr weiterhin unterbewertet seien. Um jedoch ein breiteres Anlegerpublikum anzusprechen, müsse die Branche ihre Botschaften klarer und optimistischer formulieren, anstatt auf die altbekannten Erzählungen von Krise, Inflation und Zusammenbruch zu setzen, so Stöferle.
Die Äußerungen fielen im Rahmen des Precious Metals Summit in Beaver Creek, einer Branchentagung der Edelmetallindustrie. Dort tauschen sich regelmäßig Vertreter von Minenunternehmen, Fondsgesellschaften und Analysehäusern über die Aussichten des Sektors aus. Das komplette Interview mit Hathaway und Stöferle ist als Video abrufbar.
Für Investoren bleibt die Kernaussage des Auftritts ambivalent: Einerseits verweisen die beiden Analysten auf eine mögliche grundlegende Neubewertung des Goldes, andererseits raten sie zu Zurückhaltung in der Außendarstellung. Die Branche müsse mit Argumenten überzeugen statt mit Dramatik, wenn sie breitere Anlegerschichten erreichen wolle. Ob sich die These des Remonetisierungszyklus bewahrheitet, wird sich vor allem daran messen lassen, wie sich die Beziehung von Gold zu den Anleiherenditen in den nächsten Monaten entwickelt.
