Drohnenangriffe zwingen Russland zu Ölförderkürzungen – Exporte eingebrochen
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ostseehafen-Infrastruktur machen Förderkürzungen laut Insidern unvermeidlich.

Russland steht nach massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf seine Ölexport-Infrastruktur vor unvermeidlichen Förderkürzungen. Mindestens 20 Prozent der gesamten russischen Exportkapazität sind derzeit außer Betrieb, wie drei Branchenquellen gegenüber Reuters unter der Bedingung der Anonymität bestätigten. Das Pipeline-System des Landes ist verstopft, die Lagerkapazitäten füllen sich – und einzelne Ölfelder müssen ihre Produktion bereits drosseln.
Besonders schwer getroffen hat es den Ostseehafen Ust-Luga, einen der wichtigsten russischen Ölumschlagplätze. Nach schweren Drohnenangriffen und Bränden hat der Hafen vor rund einer Woche die Ölexporte vollständig eingestellt. Das staatlich kontrollierte Pipeline-Monopol Transneft informierte Exporteure bereits darüber, dass Ust-Luga die geplanten Verlademengen nicht einhalten kann und keine vollen Ölmengen der Produzenten mehr ins System aufnehmen kann.
Globale Versorgungslage unter Druck
Eine Kürzung der russischen Fördermengen käme zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt für die Weltmärkte. Die Ölmärkte sind bereits durch Lieferunterbrechungen infolge des Konflikts im Nahen Osten belastet. Russland ist der weltweit zweitgrößte Ölexporteur und drittgrößter Förderer nach den USA und Saudi-Arabien – eine Produktionsdrosselung würde die globale Versorgungsspannung erheblich verschärfen.
Laut OPEC-Daten lag die russische Ölförderung im Februar bei 9,184 Millionen Barrel pro Tag. Im Gesamtjahr 2025 sank die Produktion trotz westlicher Sanktionen und Drohnenangriffen nur um 0,8 Prozent auf 10,28 Millionen Barrel täglich – rund ein Zehntel der weltweiten Produktion. Wie stark die Förderung nun eingeschränkt werden muss, konnte keine der Quellen beziffern.
Die Lage wird durch mehrere Faktoren gleichzeitig verschärft. Die Druschba-Pipeline, über die Ungarn und die Slowakei mit russischem Öl versorgt werden, ist bereits seit Januar unterbrochen. Gleichzeitig läuft die saisonale Raffineriewartung, in der die Anlagen weniger Rohöl verarbeiten – was den Überschuss im Transneft-System weiter anwachsen lässt. Normalerweise steigert Russland in dieser Periode die Rohölexporte, doch das ist diesmal nicht möglich.
Auch Kasachstan betroffen
Der Exportengpass in Ust-Luga trifft nicht nur Russland selbst. Auch Kasachstan verschifft monatlich zwischen 200.000 und 400.000 Tonnen seines KEBCO-Rohöls über den betroffenen Hafen und ist damit ebenfalls von den Ausfällen direkt betroffen.
Für den russischen Staatshaushalt sind die Folgen erheblich: Öl und Erdgas machen ein Viertel der russischen Staatseinnahmen aus. Zwar hat Moskau zuletzt von gestiegenen Ölpreisen infolge der US-israelischen Angriffe auf den Iran profitiert – doch Förderkürzungen würden diesen Vorteil schnell aufzehren. Wie lange die verfügbaren Lagerkapazitäten noch ausreichen, ist unklar: Eine Quelle sprach von Wochen, nicht aber von Monaten.
