Russische Ölförderung vor Kürzungen: Drohnenangriffe lähmen Exporte
Ukrainische Angriffe auf Häfen und Pipelines reduzieren Russlands Exportkapazität um eine Million Barrel täglich.

Russlands Ölförderung steht vor unmittelbaren Produktionskürzungen. Ukrainische Drohnenangriffe auf Häfen, Pipelines und Raffinerien haben die russische Exportkapazität um rund eine Million Barrel pro Tag reduziert – das entspricht einem Fünftel der Gesamtkapazität. Dies berichteten drei Brancheninsider gegenüber Reuters unter der Bedingung der Anonymität.
Besonders schwer getroffen wurde der Ostseehafen Ust-Luga, einer der wichtigsten russischen Ölumschlagplätze. Nach massiven Drohnenangriffen und Bränden hat der Hafen den Betrieb vor rund einer Woche eingestellt. Auch der Ostseehafen Primorsk wurde bei den schwersten Angriffen seit Kriegsbeginn ins Visier genommen.
Die Folgen für das russische Pipelinesystem sind gravierend: Da weder Häfen noch inländische Raffinerien ausreichend Öl abnehmen können, staut sich der Rohstoff im Netz des staatlichen Pipelinemonopolisten Transneft. Die Lagerkapazitäten füllen sich, und einzelne Ölfelder müssen ihre Förderung drosseln, um eine weitere Überlastung zu vermeiden.
Russlands Exportinfrastruktur unter massivem Druck
Laut OPEC-Daten produzierte Russland im Februar 9,184 Millionen Barrel Öl pro Tag – die drittgrößte Fördermenge weltweit nach den USA und Saudi-Arabien. Im vergangenen Jahr sank die Produktion trotz westlicher Sanktionen und Drohnenangriffen nur um 0,8 Prozent auf 10,28 Millionen Barrel täglich, was etwa einem Zehntel der weltweiten Produktion entspricht.
Transneft informierte Exporteure bereits darüber, dass Ust-Luga die geplanten Ölmengen für die erste Aprilhälfte voraussichtlich nicht verladen kann. Für die zweite Monatshälfte bestehen die Verladekontingente vorerst weiter, jedoch ohne Garantie auf Einhaltung. Transneft und das russische Energieministerium reagierten nicht auf Anfragen von Reuters.
Die Krise trifft nicht nur Russland: Auch Kasachstan verschifft monatlich zwischen 200.000 und 400.000 Tonnen seines KEBCO-Öls über Ust-Luga. Der Ausfall des Hafens beeinträchtigt damit auch die kasachischen Exportpläne erheblich.
Saisonale Wartung verschärft die Lage
Normalerweise erhöht Russland in den Monaten März und April die Rohölexporte, da viele Raffinerien zur saisonalen Wartung abgeschaltet werden. In diesem Jahr kehrt sich dieser Effekt jedoch um: Weil die Raffinerien weniger verarbeiten und gleichzeitig die Exporthäfen nicht funktionieren, wächst der Ölüberschuss im System weiter an. Eine der Quellen schätzte, dass die verfügbare Lagerkapazität für Wochen, nicht aber für Monate ausreiche.
Die Exportkapazität Russlands hatte im März zeitweise einen Ausfall von bis zu 40 Prozent erreicht. Aktuell sind noch mindestens 20 Prozent außer Betrieb – laut Insidern immer noch genug, um die Produktion zu beeinflussen. Verschärft wird die Situation durch den Ausfall der Druschba-Pipeline, die seit Januar keine Lieferungen mehr nach Ungarn und in die Slowakei transportiert.
Für die globalen Ölmärkte kommt die Entwicklung zur Unzeit. Bereits durch den Nahostkonflikt und US-israelische Angriffe auf den Iran seit Ende Februar sind die Rohölpreise gestiegen. Russland profitierte zunächst von diesen höheren Preisen – doch Produktionskürzungen würden das Land empfindlich treffen, da Öl und Erdgas rund ein Viertel der russischen Staatseinnahmen ausmachen.
