DAX unter 24.000 Punkte: Geopolitische Krise erschüttert deutsche Wirtschaft
Eskalierender Nahostkonflikt treibt Energiepreise in die Höhe und reißt den deutschen Leitindex auf den tiefsten Stand seit Dezember.

Der DAX hat am 4. März 2026 einen dramatischen Einbruch erlitten. Der deutsche Leitindex fiel im frühen Handel um 2,8 % und rutschte damit unter die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten – den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Bereits zu Wochenbeginn hatte der Index 2,4 % verloren. Auslöser ist die Eskalation des Nahostkonflikts, die an den globalen Märkten eine Schockwelle ausgelöst hat.
Auch andere europäische Leitindizes gaben deutlich nach: Der französische CAC 40 verlor rund 3 %, der britische FTSE 100 sank um 2,7 %. Investoren flüchten in sichere Anlagen – ein klassisches Muster in geopolitischen Krisen.
Energiepreise explodieren – Inflationssorgen kehren zurück
Der zentrale Schockfaktor ist die Drohung des Iran, die Straße von Hormus zu blockieren. Durch diese strategisch bedeutende Meerenge fließen rund 20 % der weltweiten Ölproduktion. Der Brent-Rohölpreis stieg zeitweise auf knapp 83 US-Dollar je Barrel. Noch dramatischer reagierten die europäischen Erdgaspreise: Nach Berichten, dass QatarEnergy die LNG-Produktion gestoppt hat, schossen sie um 36 bis 48 % in die Höhe.
Die aufflammenden Energiepreise lassen die Inflationssorgen zurückkehren. Händler haben ihre Wetten auf baldige Zinssenkungen der Bank of England und der US-Notenbank Fed deutlich reduziert. Einige Marktteilnehmer preisen sogar eine geringe Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinserhöhung bis Jahresende ein. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte, ein anhaltender Konflikt könne die Inflation in der Eurozone erheblich anheizen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum bremsen.
Deutschlands Energiesicherheit steht dabei besonders im Fokus. Die deutschen Gasspeicher waren zu Beginn des Monats März lediglich zu 27 % gefüllt – weit unter dem historischen Durchschnitt von 64 % für diese Jahreszeit. Zwar verfügt Deutschland über eine gesetzlich vorgeschriebene strategische Ölreserve für 90 Tage, die in 62 Kavernen und Tanklagern gelagert wird. Diese darf jedoch nur bei physischen Versorgungsengpässen, nicht aber zur Preisstabilisierung eingesetzt werden.
Automobilsektor unter Druck – Rüstung im Aufwind
Innerhalb der deutschen Industrie zeigt sich eine ausgeprägte Sektorendivergenz. Automobilzulieferer Schaeffler brach um 18 % ein – möglicherweise der größte Tagesverlust seit März 2020. Der Konzern hatte einen Umsatzausblick für 2026 zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro veröffentlicht, was unter dem Analystenkonsens von 23,97 Milliarden Euro liegt. Auch die prognostizierte EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 % enttäuschte den Markt. ZF Friedrichshafen-Chef Mathias Miedreich kündigte unterdessen an, den Verwaltungsbereich des Zulieferers zu verkleinern, um die Gesamtperformance zu verbessern.
Industriezulieferer Stabilus versucht dem schwachen Automarkt mit einer strategischen Neuausrichtung zu begegnen: Das Unternehmen plant, seinen Umsatz aus militärischen Anwendungen bis 2030 mindestens zu verdreifachen und rechnet mit potenziellen Dual-Use-Aufträgen von rund 200 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren.
Deutlich besser sieht es im Rüstungssektor aus. Rheinmetall legte um 3,5 % zu, Hensoldt stieg um 5,2 %, BAE Systems um 7,9 %, Saab und Thales jeweils um 6,1 %. Der Nahostkonflikt und der Fokus auf Raketentechnologie befeuern die Nachfrage nach Verteidigungsgütern europaweit.
Aus dem Druckmaschinensektor kommen ebenfalls schlechte Nachrichten: Manroland Sheetfed hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das Unternehmen litt jahrelang unter Verlusten; der Auftragseingang lag 2024 rund 40 % unter Plan, der Umsatz sank von 153 auf 132 Millionen Euro. Als Hauptgründe gelten schwache Nachfrage – insbesondere aus China – sowie hohe Energie- und Personalkosten.
Politische Entwicklungen und EU-Energiepolitik
Im innenpolitischen Bereich klagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vor dem Bundesgerichtshof gegen Mercedes und BMW. Ziel ist es, das Ende des Verkaufs neuer Verbrennerfahrzeuge auf November 2030 vorzuziehen, basierend auf den Pariser Klimazielen. Das BGH-Urteil wird für den 23. März erwartet.
International sorgte eine Äußerung von Ex-US-Präsident Donald Trump für Aufsehen: Er kritisierte den britischen Premier Keir Starmer für die anfängliche Zurückhaltung Großbritanniens bei der Unterstützung von US-Angriffen auf den Iran und lobte Deutschland und Frankreich als verlässlichere Partner. Die Bundesregierung kündigte zudem an, Flugzeuge zur Evakuierung deutscher Staatsangehöriger aus den Konfliktregionen zu entsenden.
Auf EU-Ebene entbrannte ein Streit über die Energiepolitik: Italien schlägt vor, die Kosten für EU-Emissionszertifikate aus den Strompreisen für Verbraucher herauszurechnen. Brüssel dürfte sich widersetzen, da dies das EU-Emissionshandelssystem (ETS) untergräbt. Kritiker werten den Vorstoß als politisch motiviert im Hinblick auf bevorstehende Wahlen in Italien.
