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Kakaopreiskrise: Wie Elfenbeinküste und Ghana in die Absatzkrise gerieten

Rekordtiefe Weltmarktpreise und volle Lager bedrohen Millionen Kakaobauern in Westafrika.

3 Min
Kakaopreiskrise: Wie Elfenbeinküste und Ghana in die Absatzkrise gerieten

Die Elfenbeinküste und Ghana produzieren gemeinsam rund die Hälfte des weltweiten Kakaos – und stecken derzeit in einer schweren Absatzkrise. Globale Händler kaufen kaum noch Bohnen, Landwirte warten seit Monaten auf ihre Bezahlung, und in beiden Ländern stapeln sich unverkaufte Bestände. Auslöser sind einbrechende Weltmarktpreise, Rekordernten und eine sinkende Nachfrage der Schokoladenbranche.

Das System, das jetzt zum Problem wird, ist staatlich geregelt: Regierungsbehörden in beiden Ländern verkaufen rund 80 Prozent der Ernte ein Jahr im Voraus an globale Händler. Zu Saisonbeginn im Oktober legen sie dann einen Festpreis für die Landwirte fest. Dieser Mechanismus schützt Bauern vor kurzfristigen Preisschwankungen – funktioniert aber nur, solange die Terminpreise nicht dramatisch einbrechen.

Genau das ist passiert: Im Oktober 2024 setzte die Elfenbeinküste den Festpreis auf rund 5.000 US-Dollar je Tonne, Ghana sogar auf fast 5.300 Dollar. Die Terminpreise am Weltmarkt sind seither jedoch auf etwa 3.100 Dollar je Tonne abgestürzt – ein Verlust von rund 50 Prozent allein in diesem Jahr. Für Händler bedeutet jeder Kauf ivorischer oder ghanaischer Bohnen zu Festpreisen einen sofortigen Verlust. Die Konsequenz: Sie kaufen schlicht nicht mehr.

Millionen Bauern ohne Einkommen

Die Folgen treffen die Ärmsten besonders hart. Fast zwei Millionen Kakaobauern und ihre Familien in beiden Ländern sind auf den Rohstoff als Lebensgrundlage angewiesen – die meisten leben unterhalb der Armutsgrenze. Ghanaische Landwirte berichteten, seit November keine Zahlung mehr erhalten zu haben. In der Elfenbeinküste lagern nach Branchenangaben im ganzen Land unverkaufte Kakaomengen.

Der Preisverfall am Weltmarkt hat strukturelle Ursachen. Nach dem Rekordhoch 2024, als sich die Kakaopreise fast verdreifacht hatten, reagierten Schokoladenhersteller mit Shrinkflation: kleinere Riegel, mehr Füllstoffe wie Waffeln oder Nüsse, Ersatz von Kakaobutter durch günstigere Fette. Gleichzeitig bescherte günstiges Wetter den Anbauländern Rekordernten. Für die laufende Saison erwarten globale Händler einen Marktüberschuss von 300.000 bis 400.000 Tonnen – ein erheblicher Teil davon entfällt auf die Elfenbeinküste und Ghana.

Ein weiteres strukturelles Problem: Anders als internationale Händler oder Verarbeiter fehlen beiden Ländern die finanziellen Mittel und Kapazitäten, Bohnen längerfristig einzulagern und auf bessere Preise zu warten.

Erste Gegenmaßnahmen zeigen Wirkung

Beiden Länder haben reagiert. Die Elfenbeinküste kaufte Ende Januar 100.000 Tonnen unverkaufter Bohnen direkt von den Landwirten auf – für rund 500 Millionen US-Dollar. Ab dem 1. März soll der Festpreis für Bauern um etwa ein Drittel gesenkt werden, um internationale Händler wieder anzulocken. Eine offizielle Ankündigung wurde für Ende Februar angekündigt, einen Monat früher als üblich.

Ghana senkte den Festpreis bereits am 12. Februar um fast ein Drittel auf rund 3.580 Dollar je Tonne. Damit nähert sich der Preis den aktuellen Terminnotierungen an – ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt. Ghana kämpft zusätzlich mit den Nachwirkungen seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Generationen: Das Land hatte 2023 einen Zahlungsausfall erlitten und musste rund 30 Milliarden Dollar Auslandsschulden umstrukturieren. Das macht Finanzierungen für Kakaokäufe deutlich teurer und schwieriger.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Kakaos für beide Staaten ist enorm. In der Elfenbeinküste macht das Agrarprodukt fast 40 Prozent der gesamten Exporterlöse aus, in Ghana rund 15 Prozent. Kakao ist damit eine der wichtigsten Devisenquellen beider Nationen – und macht ihre Volkswirtschaften besonders anfällig für Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

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