China reduziert Genehmigungen für neue Kohlekraftwerke drastisch
Erneuerbare Energien überholen Kohle, während Unsicherheit über die Zukunft von Kohle bleibt

China hat die Genehmigungen für den Bau neuer Kohlekraftwerke im ersten Halbjahr 2024 um nahezu 80% reduziert, so ein Bericht der Umweltorganisation Greenpeace East Asia. Diese Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der das Land, der weltweit größte Erbauer von Kohlekraftwerken, zunehmend auf erneuerbare Energien setzt. Laut dem Bericht überschritt die kombinierte Wind- und Solarkapazität Chinas mit 11,8 Terawatt (TW) erstmals die Kohlekapazität, die bei 11,7 TW liegt. Dies macht 84,2% aller neuen, ans Netz angeschlossenen Kapazitäten aus.
Gleichzeitig wurden in China jedoch 14 neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 10,3 Gigawatt (GW) in Betrieb genommen, was einem Rückgang von 79,3% im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 entspricht. Der Bericht zeigt, dass der Ausbau von Wind- und Solaranlagen stark voranschreitet, während der Bau von Kohlekraftwerken verlangsamt wird. Dennoch ist unklar, welche Bedeutung dieser Rückgang für die zukünftige Nutzung von Kohle als fossilen Brennstoff haben könnte.
Gao Yuhe, Projektleiter bei Greenpeace East Asia, äußerte Unsicherheit darüber, ob der Rückgang der Kohlekraftwerksgenehmigungen darauf zurückzuführen ist, dass in der aktuellen Fünfjahresplanperiode bereits viele Projekte genehmigt wurden, oder ob es sich um die letzten Atemzüge der Kohlekraft in einem Übergang zu erneuerbaren Energien handelt, bei dem Kohle zunehmend als unpraktisch angesehen wird. Er betonte, dass die Zeit zeigen wird, welche dieser Hypothesen zutreffend ist.
Greenpeace betonte außerdem, dass Investitionen in die Verbesserung der Netzkonnektivität fließen sollten, um die Effizienz der riesigen Flotte von Wind- und Solaranlagen in China zu steigern. Dies sei notwendig, um das volle Potenzial der erneuerbaren Energien auszuschöpfen.
Analysten des in Helsinki ansässigen Zentrums für Forschung zu Energie und sauberer Luft gehen davon aus, dass die Kohlenstoffemissionen Chinas im Jahr 2023 ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Sie berichten von einem Rückgang der Emissionen um 1% im zweiten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahr, was den ersten quartalsweisen Rückgang seit der COVID-19-Pandemie darstellt.
China selbst argumentiert, dass der Bau von Kohlekraftwerken weiterhin notwendig sei, um die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten und ausreichend abrufbare Energie während Spitzenlastzeiten bereitzustellen, wie beispielsweise während der Hitzewelle, die im Juli einen Großteil des Landes erfasst hat. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission Chinas reagierte nicht sofort auf eine per Fax gestellte Anfrage zu diesem Thema.
