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Chevron und Exxon Mobil: Q1-Gewinne trotz geopolitischer Turbulenzen

Beide US-Ölriesen schlagen Analystenerwartungen, verbuchen aber deutliche Gewinnrückgänge durch Hedging-Verluste und Lieferkettenprobleme.

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Chevron und Exxon Mobil: Q1-Gewinne trotz geopolitischer Turbulenzen

Chevron und Exxon Mobil haben ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2026 vorgelegt – und die Zahlen erzählen eine Geschichte voller Widersprüche. Trotz eines Ölpreisanstiegs von 57 Prozent infolge des anhaltenden Nahostkonflikts verzeichneten beide US-Energiekonzerne deutliche Gewinnrückgänge im Jahresvergleich. Gleichzeitig übertrafen beide Unternehmen die Erwartungen der Wall Street.

Exxon Mobils Nettogewinn brach um 45 Prozent auf 4,2 Milliarden US-Dollar ein. Chevron meldete einen Rückgang von 36 Prozent auf 2,2 Milliarden US-Dollar. Dies geschieht vor dem Hintergrund der nach Unternehmensangaben schwersten Ölversorgungsstörung der Geschichte – ausgelöst durch die Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl weltweit.

Hedging-Verluste belasten die Bilanzen

Der scheinbare Widerspruch zwischen hohen Marktpreisen und sinkenden Gewinnen lässt sich mit einem sogenannten „Timing-Effekt" erklären. Da Öltransporte aus dem Persischen Golf rund einen Monat bis zum Kunden benötigen, hatten beide Konzerne Finanzderivate eingesetzt, um Preise abzusichern. Als die physischen Lieferungen jedoch durch die Schließung der Straße von Hormus verzögert oder umgeleitet wurden, konnten diese Absicherungsgeschäfte nicht durch unmittelbare Einnahmen ausgeglichen werden.

Exxon Mobil verzeichnete dadurch einen Verlust von 4 Milliarden US-Dollar aus diesen Timing-Effekten. Chevron buchte eine Belastung von 2,9 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit seinen Finanzabsicherungen. Analysten bewerten diese Verluste als temporär, da sie strukturell mit der Verzögerung zwischen Absicherung und physischer Lieferung zusammenhängen.

Operativ zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Konzernen. Exxon Mobil ist mit einem Anteil von rund 15 bis 20 Prozent seiner Produktion stärker im Nahen Osten exponiert. Das Unternehmen schätzt, dass seine Förderleistung auf 4,1 bis 4,3 Millionen Barrel pro Tag sinken könnte, sollte die Straße von Hormus auch im zweiten Quartal geschlossen bleiben. Als Gegenmaßnahme hat Exxon 13 Millionen Barrel in Märkte mit hohem Bedarf umgeleitet und setzt auf Rekordproduktion in Guyana sowie im Permian Basin in Texas.

Chevron mit breiterem globalem Fußabdruck

Chevron-CEO Mike Wirth betonte, dass das Engagement seines Unternehmens im Nahen Osten im Vergleich zum globalen Fußabdruck in Nord- und Südamerika, Asien und Afrika verhältnismäßig gering sei. Dennoch rutschte Chevrons Raffineriesegment mit einem Verlust von 817 Millionen US-Dollar in die roten Zahlen – bedingt durch niedrigere Margen, Hedging-Auswirkungen und gestiegene Transportkosten. Positiv hervorzuheben ist, dass Chevron einen Cashflow von 4,1 Milliarden US-Dollar erzielte und seinen größten Gewinnübertreffer seit Oktober 2020 verbuchen konnte.

Im breiteren geopolitischen Kontext vollzieht sich ein struktureller Wandel im globalen Energiesektor. Die Vereinigten Arabischen Emirate traten am 1. Mai aus der OPEC aus – ein Schritt, der als bedeutender Riss innerhalb der Organisation gewertet wird und das Risiko eines künftigen Preiskampfes nach Ende des Konflikts signalisieren könnte. Gleichzeitig haben sich US-Energiekonzerne als dominante Kraft im globalen Energiemarkt positioniert, während europäische Wettbewerber wie BP, Shell und TotalEnergies vor allem durch aktive Handelsoperationen Gewinne erzielten – ein Phänomen, das Analysten als „transatlantischen Riss" im Energiesektor beschreiben.

Ausblick: Alles hängt an der Straße von Hormus

Die Marktstimmung bleibt gemischt, aber vorsichtig optimistisch. Der S&P 500 schloss über der Marke von 7.200 Punkten, gestützt durch starke Ergebnisse von Technologiekonzernen. Investoren beobachten aufmerksam, wann die Straße von Hormus wieder geöffnet werden könnte. Unternehmensvertreter warnen jedoch, dass es nach einer Wiedereröffnung bis zu zwei Monate dauern könnte, bis die Lieferströme vollständig wieder anlaufen.

Exxon-CEO Darren Woods erklärte, das volatile Umfeld habe die Strategie des Unternehmens nicht verändert, sondern „beweise deren Wirksamkeit". Für das zweite Quartal bleibt die Dauer der Schließung der Straße von Hormus der entscheidende Faktor – sowohl für die operative Planung als auch für die Auflösung der bestehenden Hedging-Positionen beider Konzerne.

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