Ägypten kauft 20 LNG-Lieferungen für den Winter
Unerwartet günstige Prämien trotz steigender Nachfrage und Produktionsrückgang im Inland

Ägypten hat kürzlich eine Ausschreibung zum Kauf von 20 Flüssigerdgas-Ladungen (LNG) vollständig vergeben. Dies war die erste Ausschreibung des Landes zur Deckung seines Winterbedarfs seit 2018. Die Ausschreibung wurde geschlossen, um die Nachfrage im vierten Quartal 2024 zu decken. Bemerkenswert ist, dass Ägypten die angestrebten Mengen zu niedrigeren Prämien als erwartet sichern konnte, wie mehrere Handelsquellen berichteten. Trotz der geopolitischen Herausforderungen in der Region und der angespannten Marktlage erhielt die Egyptian General Petroleum Corporation (EGPC) Angebote von über 15 bedeutenden Anbietern. Diese Angebote lagen 30 bis 40 Prozent unter den erwarteten Marktpreisen. Die Prämien für die Ladungen lagen bei rund einem US-Dollar pro Million British Thermal Units (mmBtu) über dem niederländischen TTF-Gaspreis.
Das Land hat seit Beginn des Jahres mehr als 50 LNG-Ladungen gekauft und damit seine ursprünglichen Pläne, ein zuverlässiger Lieferant für Europa zu werden, aufgegeben. Die ägyptische Regierung hatte gehofft, durch den Export von Erdgas zur Stabilisierung der eigenen Wirtschaft beizutragen, musste jedoch aufgrund von Rückgängen in der heimischen Gasproduktion erneut auf Importe zurückgreifen. Der Rückgang der eigenen Gasproduktion in Ägypten führte zu einem Anstieg des Importbedarfs, was nun zu verstärkten LNG-Einkäufen führt.
Die 20 Ladungen, die im Rahmen dieser Ausschreibung gekauft wurden, sollen in der Zeit von Anfang Oktober bis Ende November geliefert werden. Der größte Teil der Ladungen, insgesamt 17, wird in das schwimmende Terminal im Rotmeerhafen Ain Sukhna geliefert. Drei weitere Ladungen gehen in den Hafen von Aqaba in Jordanien. Zu den Unternehmen, die den Zuschlag für die Lieferung erhalten haben, zählen große Energieunternehmen wie TotalEnergies, Shell, BP sowie Rohstoffhändler wie Glencore und Gunvor. Auch Saudi Aramco und kleinere Rohstoffhändler wie Hartree erhielten einige der Lieferaufträge.
Ein weiterer Faktor, der die aktuelle Energiekrise in Ägypten verschärft, ist der Rückgang der heimischen Gasproduktion, die im Mai auf ein Sechsjahrestief fiel. Berichten zufolge wird die Produktion bis Ende 2028 um weitere 22,5 Prozent sinken. Gleichzeitig wird ein Anstieg des Stromverbrauchs um 39 Prozent in den nächsten zehn Jahren erwartet. Daten deuten darauf hin, dass Ägypten im kommenden Jahr noch mehr LNG benötigen wird, jedoch die Sicherung zusätzlicher Importkapazitäten priorisieren muss.
Zusätzlich haben Saudi-Arabien und Libyen den Kauf von LNG-Lieferungen im Wert von mindestens 200 Millionen US-Dollar finanziert, um Ägypten bei der Bewältigung der Energiekrise zu unterstützen.
