Trump-Wahlsieg lässt Kupfermärkte nur kurz erzittern
Chinas Konjunkturmaßnahmen enttäuschen Rohstoffspekulanten und dämpfen Hoffnungen auf einen Boom

Donald Trumps Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA hat dieses Mal keinen vergleichbaren Kupferboom ausgelöst wie nach seinem unerwarteten Wahlerfolg 2016. Damals war der Markt stark auf Short-Positionen bei Futures und Optionen eingestellt, was zu einer Massenanpassung der Fonds-Positionierung führte. Vor der jüngsten Wahl zeigte sich der Kupfermarkt jedoch in einem vorsichtigen Modus, und die Fondsmanager hielten nur eine bescheidene Long-Position auf Kupfer.
Neben der US-Wahl lag der Fokus des Marktes auch auf China, da zeitgleich eine Sitzung des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses Chinas stattfand. Das Ergebnis war ein 1,4 Billionen US-Dollar schweres Paket zur Entlastung der kommunalen Verschuldung, das bei Rohstoffspekulanten jedoch Enttäuschung hervorrief. Diese hatten auf stärkere Konjunkturmaßnahmen gehofft, um das schwächelnde Wirtschaftswachstum Chinas anzukurbeln.
Der Kupferpreis zeigte nach der Wahlwoche ein aufschlussreiches Bild in Bezug auf die Marktinteressen, die sich offenbar stärker auf China als auf die USA konzentrierten. Der Preis für Dreimonatskupfer an der Londoner Metallbörse fiel am Mittwoch um 4,1 % als Reaktion auf die Stärke des US-Dollars nach den Wahlergebnissen. Bis zum Ende des Donnerstags hatte sich der Preis jedoch weitgehend erholt, da Händler spekulierten, dass die Aussicht auf neue US-Zölle auf chinesische Exporte das chinesische Parlament zur Lockerung der Stimuli veranlassen könnte. Die Ankündigung eines Schuldenumschlags zwischen Zentral- und Kommunalregierungen am Freitag dämpfte jedoch die Erwartungen und führte erneut zu einem Rückgang der Kupferpreise. Der Wochenabschlusspreis lag bei 9.443,50 US-Dollar pro Tonne, was einem wöchentlichen Verlust von 1,3 % entspricht.
Die Positionen der Fondsmanager auf CME-Kupfer waren in diesem Jahr zurückhaltender als 2016. Bis zum 5. November hielten sie eine moderate Netto-Long-Position von 20.714 Kontrakten, verglichen mit 41.127 Kontrakten zu Beginn des Oktobers.
Die Unsicherheit darüber, wie der Markt die möglichen 60 % Zölle Trumps auf chinesische Waren bewerten soll, bleibt bestehen. Diese Zölle werden voraussichtlich erst in einigen Monaten umgesetzt und dürften kaum direkte Auswirkungen auf den Metallfluss von China in die USA haben. Die Biden-Regierung hat die Einfuhrzölle auf chinesische Aluminium- und Stahlprodukte bereits auf 25 % angehoben, und Kanada folgte diesem Beispiel. Auch Mexiko, das oft als Transithafen für chinesisches Metall gilt, unterliegt nun strengeren Anforderungen.
Die Hauptfrage bleibt die potenzielle Wirkung auf die chinesische Wirtschaft, die heute anfälliger für einen Handelskrieg mit den USA ist als noch vor acht Jahren. Die Reaktion des Kupfermarktes auf die US-Wahl zeigt daher ein verstärktes Augenmerk auf mögliche Maßnahmen Pekings. Die jüngste Schuldenbereinigung könnte kurzfristig kaum einen großen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben, weshalb die Erwartungen an Pekings zukünftige Reaktionen weiterhin bestehen bleiben.
