Transparenz bei kritischen Rohstoffen: Rückverfolgbarkeit als Schlüssel für stabile Lieferketten
OECD und IEA zeigen in einem gemeinsamen Bericht auf, dass Rückverfolgbarkeitssysteme für kritische Mineralstoffe entscheidend sind, um Lieferketten zu sichern und Investitionsrisiken zu senken – trotz fragmentierter Systeme und hoher Marktkonzentration w

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Internationale Energieagentur (IEA) legen in einem gemeinsamen Report offene Flanken in den weltweiten Lieferketten strategisch bedeutsamer Mineralstoffe offen. Eine starke Konzentration bei der Veredelung, dem Schmelzen und der Raffination sowie zunehmende Handelshemmnisse drosseln die Investitionsbereitschaft und erzeugen substanzielle Versorgungsrisiken, wie die Institutionen betonen.
Die Bemühungen, die Bezugsquellen zu streuen, gewinnen zwar an Dynamik, dennoch bleiben die finanziellen Mittel hinter dem erforderlichen Niveau zurück, um mit der steigenden Nachfrage mitzuhalten. Gleichzeitig gilt es, operative und governancebezogene Gefahren aus Bergbau und Verarbeitung wirksamer zu steuern, um Projektverzögerungen, Vertrauenseinbußen sowie künftige Versorgungsengpässe zu vermeiden.
Der verlässliche Zugang zu kritischen Rohstoffen ist laut OECD und IEA zu einem zentralen Faktor für wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit geworden. Besonders akut sei die Marktkonzentration bei der Verarbeitung, beim Schmelzen und bei der Raffination. Nationale und multilaterale Vorhaben zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit durch widerstandsfähigere und breiter aufgestellte Lieferketten könnten nur dann vollständig greifen, wenn Transparenz sichergestellt sei.
Nachverfolgbarkeit als zentrales Werkzeug
Für die Studie „Enhancing resilience through traceability“ (Resilienzsteigerung durch Rückverfolgbarkeit) befragten OECD und IEA 90 Unternehmen, die das gesamte Spektrum wichtiger kritischer Mineralien abdecken. Das Fazit: Standards für verantwortungsvolles Wirtschaften, Offenlegung und Nachverfolgbarkeit sind bedeutende Instrumente, um gegenwärtige globale Herausforderungen zu meistern.
„Wenn Rückverfolgbarkeit zielgerichtet und praxisnah eingesetzt wird, kann sie die Widerstandsfähigkeit erhöhen, Investitionsrisiken senken und eine verantwortungsvolle Beschaffung fördern“, so die Organisationen in ihrer Mitteilung. „Indem sie die Transparenz entlang der Lieferketten verbessert, hilft die Rückverfolgbarkeit dabei, Abhängigkeiten aufzudecken, verantwortungsvolle Praktiken zu überprüfen und Maßnahmen dort zu lenken, wo Risiken bestehen.“
Am Beispiel der Lithium- und Nickel-Lieferketten in Lateinamerika und Südostasien zeigt der Report die Relevanz eines maßgeschneiderten Vorgehens auf. Im lateinamerikanischen Lithiumsektor eröffnet die hohe Konzentration bei der Raffination Möglichkeiten für fokussierte Eingriffe. Der Nickelmarkt in Südostasien gestaltet sich aufgrund verwickelter Eigentumsverhältnisse schwieriger zu handhaben.
Zersplitterte Systeme und Hürden
Die gegenwärtigen Rückverfolgbarkeitssysteme sind international stark fragmentiert. In der Praxis kombinieren sie oft Lieferkettenkartierung, Massenbilanzansätze und Prüfverfahren im Rahmen umfassender Sorgfaltspflichten. Dies trägt zwar partiell zur Transparenz bei, ermöglicht jedoch keine lückenlose Nachverfolgung vom Ursprung bis zum Endpunkt der Kette.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen nennt Kosten und mangelnde Kompatibilität als Hindernisse für den Aufbau von Rückverfolgbarkeitssystemen. Der Betrieb werde zudem durch Vertraulichkeitsbedenken, die Verhandlungsmacht der Lieferanten und Fragen der Datenqualität erschwert. Die Hälfte der Teilnehmer stuft die regulatorische Einheitlichkeit als wichtigste Priorität für die Skalierung der Nachverfolgbarkeit ein.
Undurchsichtige Eigentumsverhältnisse stellen ein erhebliches Blindfeld dar. Komplexe und ineinander verschachtelte Unternehmensstrukturen verdecken, wer letztlich die Kontrolle über bedeutende Mineralstoffreserven ausübt – speziell in den Nickel-Lieferketten. Dies sei sowohl für die verantwortungsvolle Beschaffung als auch für die wirtschaftliche Sicherheit von Belang.
Wachsende Akzeptanz trotz Hindernissen
Ungeachtet der bestehenden Barrieren nimmt die Akzeptanz der Rückverfolgbarkeit in der Branche rasch zu. Fast drei Viertel der Befragten beabsichtigen, ihre Ausgaben für Nachverfolgbarkeit zu steigern. Allerdings geben die meisten an, dass es noch zu früh sei, um konkrete Vorteile zu benennen. Das Fehlen von Preisaufschlägen bleibe etwa ein beständiges Hemmnis.
OECD und IEA empfehlen ein gezieltes Vorgehen bei der Rückverfolgbarkeit, das auf das Risikoprofil und die strategische Bedeutung jedes Materials sowie dessen Verwendungszweck abgestimmt ist. Kurzfristig könnten Regierungen auf bereits existierende Strukturen setzen: „Handelsdaten und Lieferantenkartierungen lassen sich nutzen, um Abhängigkeiten bei der Verarbeitung zu überwachen. Bereits bestehende Auditprogramme können die Offenlegung der Herkunftsländer für Schmelz- und Raffineriebetriebe ausweiten. Bilaterale Rohstoffabkommen und Entwicklungsfinanzierung können Standards für verantwortungsvolles Wirtschaften und Transparenz verankern.“
Mittelfristig sollten Regierungen darauf hinarbeiten, Datenlücken zu schließen. Dafür sei eine stärkere Einbindung von Akteuren im Midstream-Bereich wie Händler, Börsen und Schmelzer notwendig. „Sie sollten die Transparenz bei den wirtschaftlichen Eigentümern (Beneficial Ownership) erhöhen, besonders bei komplexen Joint-Venture-Eigentumsstrukturen.“
Langfristige Perspektive
Auf lange Sicht empfehlen OECD und IEA Maßnahmen, die internationale Zusammenarbeit erfordern. Interoperable Datenplattformen könnten die Rückverfolgbarkeitsdaten grenzüberschreitend absichern. Systeme sollten die Identitätserhaltung für die sensibelsten Materialien übernehmen. Zudem sollten Regierungen erweiterte digitale Produktpässe einführen, die mit internationalen Standards harmonieren – speziell für Batterien und hochwirksame Produkte.
Als positives Beispiel nennen die Organisationen das indonesische Simbara-System, das eine Grundlage bieten könne, die durch gezielte politische Maßnahmen gestärkt werden sollte. Die Aktualisierung der Rückverfolgbarkeit durch den
