Straße von Hormus: Globale Kraftstoffkrise treibt Preise auf Rekordhoch
Die faktische Schließung der Straße von Hormus nach US-israelischen Angriffen auf den Iran löst eine beispiellose Kraftstoffkrise aus.

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat eine schwere Energiekrise ausgelöst, die weit über den Rohölmarkt hinausgeht. Brent-Rohöl stieg im frühen asiatischen Handel am Montag um bis zu 20 Prozent auf 111,04 US-Dollar pro Barrel – den höchsten Stand seit Juli 2022. Doch die eigentliche Gefahr lauert bei den raffinierten Kraftstoffen, die Verbraucher und Industrie weltweit direkt treffen.
Die Spotpreise für Kerosin in Singapur schnellten am 4. März auf ein Rekordhoch von 225,44 US-Dollar pro Barrel – ein dramatischer Sprung gegenüber den 93,45 Dollar, die noch am 27. Februar, dem Tag vor Beginn der Luftkampagne, gezahlt wurden. Bis zum Wochenende gaben die Preise zwar auf 155,82 Dollar nach, lagen damit aber immer noch rund 66,7 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Singapur-Gasöl, Grundbaustein für Diesel und Kerosin, erreichte mit 123,39 Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit September 2023 – ein Plus von 33,5 Prozent innerhalb weniger Tage.
Hormus-Schließung drosselt 18 Millionen Barrel täglich
Die faktische Schließung der Straße von Hormus ist der Kern des Problems. Täglich fließen durch diese strategisch entscheidende Meerenge rund 18 Millionen Barrel Öl und Kraftstoffe – davon etwa 14 Millionen Barrel Rohöl und 3 Millionen Barrel raffinierte Produkte, wie Daten des Rohstoffanalysten Kpler belegen. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist damit die wichtigste Energieader der Welt.
Die Trump-Regierung behauptet, die Meerenge bleibe offen, und hat angeboten, Schiffe zu versichern, die die Durchfahrt wagen. Die Märkte zeigen sich jedoch skeptisch: Der Iran hat signalisiert, dass er Schiffe angreifen könnte, die versuchen, die Straße zu passieren. Solange diese Unsicherheit anhält, werden die Preise für raffinierte Produkte unter Druck bleiben.
Strategischer Fehler mit globalen Folgen
Analysten sehen in der Schließung der Straße von Hormus den gravierendsten strategischen Fehler des Angriffs. Die ursprüngliche Annahme war, dass sich alle Konfliktparteien rational verhalten und die Öl- und Transportinfrastruktur verschonen würden – da es in niemandes Interesse liege, den Energiefluss zu unterbrechen. Diese Kalkulation ging nicht auf.
Irans Entscheidung, Nachbarstaaten am Golf ins Visier zu nehmen, die US-Militärstützpunkte beherbergen, hat alle bisherigen Szenarien obsolet gemacht. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und der Irak sind existenziell auf ihre Öl-, Kraftstoff- und Flüssigerdgas-Exporte angewiesen. Für Europa und Deutschland bedeutet das: steigende Energiekosten, höhere Spritpreise und wachsender Druck auf die ohnehin angespannte Wirtschaft.
