Straße von Hormus gesperrt: Diese Pipelines retten den Ölfluss
Zwei alternative Ölpipelines in Saudi-Arabien und den VAE gewinnen durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus strategische Bedeutung.

Seit die USA und Israel am 28. Februar Angriffe gegen den Iran starteten, ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Der Iran reagiert mit gezielten Angriffen auf Schiffe, die den engen Seekorridor passieren wollen. Täglich werden neue Vorfälle gemeldet – mit massiven Folgen für den globalen Ölmarkt.
Normalerweise passieren rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag die Straße von Hormus. Dieser Nadelöhr verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und ist damit eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Nun rücken zwei Landpipelines in den Fokus, die diesen Engpass umgehen.
Die Petroline: Saudi-Arabiens Ost-West-Lebensader
Die erste und bedeutendere Alternative ist das saudi-arabische Ost-West-Pipelinesystem, auch Petroline genannt. Die rund 1.200 Kilometer lange Leitung verbindet Abqaiq an der ölreichen Ostküste des Königreichs mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. Nach jüngsten Erweiterungen verfügt die Petroline über eine Gesamtkapazität von schätzungsweise 7 Millionen Barrel pro Tag.
Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco gab Anfang der Woche bekannt, dass die Pipeline in den kommenden Tagen ihre volle Kapazität erreichen soll. Damit könnte Saudi-Arabien einen erheblichen Teil seiner Ölexporte am Konfliktgebiet vorbei in Richtung Europa und Asien leiten. Für die globale Ölversorgung ist das ein wichtiges Signal.
Die zweite Pipeline gehört den Vereinigten Arabischen Emiraten: die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline (ADCOP), auch bekannt als Habshan-Fujairah-Pipeline. Die rund 400 Kilometer lange Leitung führt von den Onshore-Ölanlagen in Habshan bis zum Hafen Fujairah am Golf von Oman. Ihre Kapazität liegt bei fast 1,8 Millionen Barrel pro Tag, aktuell werden schätzungsweise 1,5 Millionen Barrel täglich transportiert.
Ölpreise extrem volatil – Brent zwischenzeitlich bei 120 Dollar
Zusammen könnten beide Pipelines laut Energieanalysten zumindest einen Teil der blockierten 20 Millionen Barrel täglich kompensieren. Vollständig ersetzen können sie den Seeweg jedoch nicht. Zudem bleibt das Risiko von Angriffen auf die Infrastruktur selbst eine ernste Bedrohung.
Diese Gefahr ist bereits Realität: Die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) hat Berichten zufolge ihre riesige Ruwais-Raffinerie nach einem Feuer innerhalb des Komplexes geschlossen. Die Anlage verarbeitet normalerweise rund 922.000 Barrel Rohöl pro Tag. CNBC hat ADNOC um eine Stellungnahme gebeten.
Die Ölpreise reagieren auf die Krise mit extremer Volatilität. Die Nordseesorte Brent kletterte zu Beginn der Woche auf fast 120 Dollar pro Barrel, fiel dann aber auf rund 90 Dollar zurück. Am Donnerstagmorgen wurden Rohöl-Futures nahe der Marke von 100 Dollar gehandelt. Analysten warnen zudem, dass die irakische Ölproduktion infolge des Konflikts um bis zu 70 Prozent gesunken sein soll – weitere Preissteigerungen sind damit nicht ausgeschlossen.
