SSE startet stark ins erste Halbjahr und hält an Jahreszielen fest
Der britische Versorger SSE verzeichnet einen Produktionsanstieg von rund 20 Prozent bei erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr und bestätigt die Jahresprognose. Das Investitionsprogramm von 33 Milliarden Pfund fokussiert auf regulierte Netze, während d

Der britische Energiekonzern SSE hat einen positiven Zwischenbericht zum ersten Halbjahr vorgelegt. Günstige Wetterverhältnisse sowie der Zubau neuer Anlagen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen deutlich ausgeweitet werden konnte. Für das erste Halbjahr wird ein Zuwachs der Ökostrom-Produktion von rund 20 Prozent erwartet, begünstigt durch vorteilhafte Witterungsbedingungen und zusätzliche Kapazitäten, die ihren Betrieb aufgenommen haben. Die Papiere notierten im frühen Handel nahezu unverändert.
Die Unternehmensführung rechnet damit, dass der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) im ersten Halbjahr im Schnitt um 83 Prozent auf 64 bis 68 Pence klettern wird. Die Markterwartung liegt hier bei 43,4 Pence. Diese Verbesserung ist auf eine abnehmende Saisonalität der Erträge zurückzuführen, da die Erlöse aus den regulierten Netzen einen wachsenden Anteil am Gesamtgeschäft ausmachen. Dieser Wandel wurde durch eine Ausweitung der Netzinvestitionen um 70 Prozent vorangetrieben.
Die Prognose für den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr bleibt unverändert bei 168 bis 193 Pence, was einem Anstieg von ungefähr 18 Prozent im Mittelwert entspricht. Die Analystenschätzungen sehen hier 183,5 Pence vor. Damit bestätigt das Unternehmen seine Erwartungen an die weitere Entwicklung des Geschäfts.
Regulierte Netze als Motor des Wachstums
SSE versorgt Kunden in Schottland und im Süden Englands mit Strom. Dabei handelt es sich um ein klassisches Versorgungsgebiet mit planbaren Einnahmen und strengen regulatorischen Vorgaben. Zusätzlich erzeugt das Unternehmen Strom aus Gaskraftwerken sowie aus erneuerbaren Quellen wie Windparks. Der Konzern leistet seinen Beitrag zur Energiewende und beabsichtigt, bis 2029/30 insgesamt 33 Milliarden Pfund über einen Zeitraum von fünf Jahren in den Ausbau der Energieinfrastruktur zu stecken. Der überwiegende Teil dieser Summe, etwa 80 Prozent, ist für die regulierten britischen Stromnetze vorgesehen.
Durch den verstärkten Fokus auf die Netze dürfte sich die regulierte Vermögensbasis jährlich um rund 30 Prozent ausweiten. Die Einnahmen aus diesem Bereich sind an den Wert der Vermögensbasis gekoppelt und weisen eine positive Korrelation zur Inflation auf. Dies sollte das langfristige Wachstum befeuern und zugleich die Widerstandsfähigkeit des Konzerns gegenüber widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stärken.
Erneuerbare Energien bleiben ein zentraler, wenn auch vergleichsweise kleinerer Baustein des Zukunftsplans, wobei ebenfalls Milliardenbeträge in den Kapazitätsausbau fließen sollen. Allerdings ist damit ein erhebliches Risikopotenzial verbunden, da die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wetterabhängig und nicht durchgehend verlässlich ist. Deshalb bleiben flexibel einsetzbare Gaskraftwerke Teil des Energiemixes. Sie ergänzen das Ökostrom-Geschäft und können bei widrigen Wetterlagen auftretende Versorgungslücken ausgleichen.
Investitionsoffensive belastet kurzfristig die Cashflows
Der Umfang des Investitionsprogramms dürfte die Cashflows in absehbarer Zeit belasten, da die Erträge den Vorabausgaben zeitlich hinterherlaufen. Die Bilanzstruktur ist jedoch solide aufgestellt, sodass der Konzern seine Expansionsvorhaben ohne Weiteres fortführen können sollte. Die Regierung hat unlängst „GB Grid" vorgestellt, ein staatliches Unternehmen, das den Wettbewerb in der Branche verstärken soll. Ein operativer Betrieb wird voraussichtlich nicht vor 2030 erwartet, und aufgrund der überschaubaren Größe, Reichweite und Finanzausstattung dürften die langfristigen Pläne von SSE davon nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Der Schritt gilt sogar als Beseitigung einer politischen Unsicherheit, die über dem Sektor gelegen hatte.
Das Investitionsprogramm von SSE dürfte in den kommenden Jahren für ein deutlich kräftigeres Gewinnwachstum sorgen. Dennoch notiert die Aktie weiterhin im Einklang mit ihrem langfristigen Gewinnmultiplikator. Neben der anhaltenden strukturellen Verlagerung hin zu Netzen mit einem stabileren Ertragsprofil besteht Spielraum für eine Ausweitung dieses Multiplikators. Dies setzt allerdings eine konsequente Umsetzung voraus; nennenswerte Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen beim Ausbau könnten die Renditen der Aktionäre schmälern.
ESG-Risiken unter Beobachtung
Die Versorgungswirtschaft wird in Bezug auf ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance) als risikoreiche Branche eingestuft. Das Management dieser Risiken ist tendenziell ausgeprägt, wobei europäische Unternehmen ihre internationalen Wettbewerber übertreffen. Umweltbezogene Risiken wie CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch sowie weitere Treibhausgasemissionen und Ölaustritte stellen die bedeutendsten Gefahren für die Branche dar. Auch Arbeitssicherheit und die Beziehungen zu den Gemeinden vor Ort sind zentrale Überwachungsfelder.
Laut Sustainalytics weist SSE ein starkes Management von ESG-Risiken auf. Ein Ausschuss auf Vorstandsebene überwacht dabei Themen wie Gesundheit, Sicherheit und Umweltprogramme. SSE hat den Betrieb seines letzten Kohlekraftwerks im Jahr 2020 eingestellt und verfügt über eine umfangreiche Pipeline an Windprojekten. Allerdings existieren weiterhin bestehende und neue Kapazitäten auf Gas- und Ölbasis. Zudem hat der Regulierer das Unternehmen mehrfach wegen Verstößen gegen Kundengebühren mit Sanktionen belegt.
Bewertungskennzahlen
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate liegt bei 12,7, während der Zehnjahresdurchschnitt des Vorwärts-KGV 12,8 beträgt. Die prognostizierte Dividendenrendite für die nächsten zwölf Monate beläuft sich auf 3,0 Prozent, verglichen mit einem langjährigen Durchschnitt von 5,3 Prozent. Sämtliche Kennzahlen stammen von LSEG Datastream und basieren auf den Schlusskursen des vorangegangenen Handelstages. Renditen sind schwankungsanfällig und stellen keinen verlässlichen Indikator für künftige Erträge dar. Zentrale Kennzahlen sollten nicht isoliert betrachtet werden.
Der Artikel ist ursprünglicher Inhalt von Hargreaves Lansdown und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Anlagen dar. Sofern nicht anders angegeben, sind Schätzungen ein Konsens der Analystenschätzungen, die von LSEG bereitgestellt werden.
