Shell verhandelt mit Venezuela über weitere Gasfelder im Mariscal-Sucre-Projekt
Der britische Energiekonzern will seinen Zugang zu venezolanischen Gasreserven deutlich ausweiten.

Shell befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Venezuela über den Zugang zu zusätzlichen Gasfeldern vor der Ostküste des Landes. Der in London ansässige Konzern möchte neben dem bereits bekannten Dragon-Gasfeld auch drei weitere benachbarte Felder erschließen. Dies berichten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Das Dragon-Feld umfasst Reserven von rund 4,2 Billionen Kubikfuß Gas und liegt in venezolanischen Gewässern. Shell treibt dieses Vorzeigeprojekt seit Jahren voran und könnte noch vor Ende 2026 eine endgültige Investitionsentscheidung treffen. Eine solche Entscheidung wäre ein bedeutender Schritt für die Energieversorgung der Region.
Riesiges Gasreservoir vor Venezuelas Ostküste
Die drei zusätzlichen Felder, auf die Shell nun Zugriff anstrebt, sind Teil des sogenannten Mariscal-Sucre-Projekts. Dieses Gesamtprojekt umfasst Gasreserven von insgesamt rund 12 Billionen Kubikfuß – eine der größten Ansammlungen von Erdgasreserven in der westlichen Hemisphäre. Dragon ist dabei nur einer von vier Teilbereichen dieses Megaprojekts.
Die Verhandlungen finden unter der Regierung von Interimspräsidentin Delcy Rodriguez statt, die derzeit Venezuelas Geschicke leitet. Für Shell bedeutet eine Einigung die Möglichkeit, seine Präsenz in dem OPEC-Mitgliedsstaat erheblich auszubauen. Venezuela verfügt über enorme Kohlenwasserstoffreserven, die bislang aufgrund politischer und wirtschaftlicher Krisen kaum genutzt werden.
Für europäische Energieversorger und Anleger ist das Projekt aus mehreren Gründen relevant. Erstens könnte zusätzliches Flüssigerdgas (LNG) aus Venezuela dazu beitragen, die globalen Gasmärkte zu diversifizieren. Zweitens signalisiert Shells Vorstoß ein wachsendes Interesse internationaler Energiekonzerne an Venezuela – trotz der nach wie vor bestehenden geopolitischen Risiken und Sanktionen. Drittens könnte ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen Shells Gasportfolio langfristig stärken.
