Saudi Aramco und Sonatrach erhöhen LPG-Preise um bis zu 80%
Versorgungsengpässe durch den Nahostkrieg und die Schließung der Straße von Hormus treiben die Flüssiggaspreise auf Mehrjahreshöchststände.

Saudi Aramco und die algerische Sonatrach haben ihre offiziellen Verkaufspreise für Flüssiggas (LPG) für April drastisch angehoben. Die Preiserhöhungen liegen zwischen 38% und 80% und spiegeln eine der schwersten Energieversorgungskrisen seit Jahrzehnten wider. Auslöser ist der anhaltende Krieg im Nahen Osten, der die globalen Lieferketten massiv gestört hat.
Saudi Aramco erhöhte den offiziellen Verkaufspreis für Propan um 205 US-Dollar auf 750 US-Dollar pro Tonne. Der Butan-Preis stieg um 260 US-Dollar auf 800 US-Dollar pro Tonne. Sonatrach legte noch deutlicher nach: Propan verteuert sich um 325 US-Dollar auf 850 US-Dollar pro Tonne, Butan sogar um 400 US-Dollar auf 900 US-Dollar pro Tonne.
Straße von Hormus als kritischer Engpass
Seit Anfang März sind Propan- und Butan-Lieferungen aus der Golfregion aufgrund der Schließung der Straße von Hormus ausgesetzt. Diese strategisch bedeutende Meerenge war zuvor für rund 30% der weltweiten LPG-Exporte auf dem Seeweg verantwortlich. Zusätzlich wurden einige LPG-Produktionskapazitäten in der Golfregion durch Kriegseinwirkungen beschädigt.
Die offiziellen Verkaufspreise von Saudi Aramco – bekannt als Official Selling Prices (OSP) – dienen als Referenzpreise für Lieferverträge vom Nahen Osten in den asiatisch-pazifischen Raum. Die Sonatrach-Preise fungieren als Benchmark für die Mittelmeer- und Schwarzmeerregion, einschließlich der Türkei. Für europäische Importeure, darunter auch deutsche Unternehmen, sind die Sonatrach-Preise damit besonders relevant.
Breite Auswirkungen auf Industrie und Verbraucher
LPG – bestehend aus den Gasen Propan und Butan mit unterschiedlichen Siedepunkten – wird vielseitig eingesetzt. Zu den wichtigsten Verwendungszwecken zählen:
- Kraftstoff für Fahrzeuge (Autogas)
- Heizenergie für Haushalte und Industrie
- Rohstoff für die Petrochemie
Für deutsche Privatverbraucher und Industriebetriebe, die auf Flüssiggas angewiesen sind, könnten die stark gestiegenen Großhandelspreise mittelfristig spürbare Kostensteigerungen bedeuten. Besonders Regionen ohne Erdgasnetz, die auf Flüssiggaslieferungen setzen, dürften die Preisentwicklung genau beobachten.
