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Segelsport: Philanthropen fordern Rohstoff- und Umweltregeln

Die Stiftung 11th Hour Racing treibt die Integration von Umwelt- und Sozialstandards in die Wettkampfregeln des Segelsports voran – mit konkreten CO₂-Reduktionsvorgaben für Bootsneubauten und einer 50:50-Regel für geschlechterausgewogene Crews bei The Oce

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Segelsport: Philanthropen fordern Rohstoff- und Umweltregeln

Die Stiftung 11th Hour Racing verstärkt ihr Engagement im Segelsport erheblich und kämpft dafür, dass Umweltauflagen und soziale Kriterien direkt in die offiziellen Wettkampfbestimmungen einfließen. Als langjähriger Kooperationspartner von The Ocean Race, einem der renommiertesten Hochseesegel-Events rund um den Globus, forciert die Organisation einen tiefgreifenden Wandel.

"Unserer Überzeugung nach trägt eine Sportart, die auf die Meere angewiesen ist, die Pflicht, zu deren Erhalt beizutragen", erklärt Michelle Carnevale, Präsidentin von 11th Hour Racing. Die Initiative wurde 2010 von der Investorin und Mäzenin Wendy Schmidt gemeinsam mit den Seglern Rob MacMillan und Jeremy Pochman ins Leben gerufen. Den Anstoß gab die Einsicht, dass der Segelsport nach außen hin zwar umweltfreundlich wirkt, jedoch erhebliche Abfallmengen verursacht – insbesondere durch Einwegplastik.

Erste Fortschritte erzielte die Organisation, indem sie für die Yacht-Rennserie 52 Super Series wiederverwendbare Trinkflaschen und tragbare Wasserfilter bereitstellte. Dies bestärkte die Initiatoren in der Auffassung, dass umweltschonendere Verfahren mit wettbewerbsfähigen Leistungen vereinbar sind.

Verbindliche Nachhaltigkeitsstandards im Rennbetrieb

Ein Schwerpunktvorhaben ist die Kooperation mit The Ocean Race, das früher unter dem Namen Whitbread Round the World Race bekannt war. Die kommende Auflage der Regatta startet im Januar in Alicante. In den Zwischenzeiten kamen neue Wettbewerbe hinzu, darunter The Ocean Race Europe 2021 und in diesem Jahr The Ocean Race Atlantic – eine 3.000 Seemeilen lange Überfahrt von New York City nach Lorient in Frankreich.

Als Partner des Atlantic-Race unterstützte 11th Hour Racing die Einführung einer Vorschrift für paritätisch besetzte Crews im Verhältnis 50:50. Ziel ist eine höhere Frauenrepräsentanz auf Spitzenniveau. "Ich hoffe, dass diese Regel in einigen Jahren nicht mehr erforderlich sein wird", sagt Francesca Clapcich, Siegerin der Weltumsegelung 2023 als Mitglied des 11th Hour Racing Teams.

Weniger CO₂ beim Bau von Rennyachten

In der Funktion als Nachhaltigkeitspartner von IMOCA (International Monohull Open Class Association) half 11th Hour Racing bei der Umsetzung einer Bestimmung, die den CO₂-Ausstoß bei Neubauten zwischen 2025 und 2028 um 15 Prozent (60 Tonnen) senkt. Außerdem müssen sämtliche IMOCA-Teams mindestens ein Rise-zertifiziertes Segel (Reduced Impact Sail Evaluation) einsetzen, das pro Kilogramm 30 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursacht als konventionelle Segel.

Die Organisation trug zudem dazu bei, die IMOCA-Flotte mit Geräten zur Erfassung von Ozeandaten aus dem Golfstrom während des Atlantic-Races auszustatten, darunter Wasserproben zur Untersuchung auf Mikroplastik.

Verantwortungsbewusstsein durch unmittelbaren Meeresbezug

"Es ist ganz natürlich, dass unsere Teams und Segler ein Pflichtgefühl gegenüber dem Meer entwickeln", sagt Andrew Lamb, Direktor für Partnerschaftsentwicklung bei The Ocean Race. "Da wir so viel Zeit auf dem Wasser verbringen, sind wir nicht nur Zeugen der stattfindenden Veränderungen, sondern die ersten, die mit ihnen konfrontiert werden."

Für 11th Hour Racing stehen Markenpräsenz und Reichweite nicht im Mittelpunkt. "Wir schauen über klassische Sponsoring-Kennzahlen wie Markensichtbarkeit hinaus und stellen Fragen", so Carnevale. "Was hat sich verändert, weil wir beteiligt waren? Ist eine Idee oder Innovation näher daran gerückt, zum Standard zu werden?"

Umfassender Ansatz für den Wettkampfsport

"11th Hour Racing hat viele davon überzeugt, dass wir gute Leistungen bringen können, aber auch mit Sinn und auf die richtige Art", sagt Clapcich. "Es geht nicht allein darum, Menschen davon abzuhalten, Plastik ins Wasser zu werfen oder mehr Frauen aufs Wasser zu bringen. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz: Wir wollen mehr Gemeinschaften anziehen und den Sport zugänglicher machen."

Vor dem Atlantic-Race organisierte ihr Team eine Tour, um mit Basis-Segelorganisationen an der US-Ostküste in Kontakt zu treten, und veranstaltete Segeltage sowie Bootsführungen, um Diskussionen über die Gesundheit der Ozeane und die Inklusion im Segelsport zu fördern.

Im Jahr 2024 entwickelte 11th Hour Racing "The Toolbox", eine kostenfreie Sammlung aus Leitfäden, Vorlagen und Tracking-Werkzeugen. Diese soll Organisationen aller Branchen bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen. Die wirkungsvollsten Programme seien jene, die sich als fester Bestandteil der Organisation anfühlen "und nicht als Anhängsel", sagt Carnevale.

Umweltstandards als fester Bestandteil der Wettkampfordnung

"Die Menschen erwarten zunehmend, dass Sportmarken und Organisationen für etwas Größeres stehen als Produkte und Wettbewerb", sagt Carnevale. Für 11th Hour Racing bedeutet dies, den Segelsport zu nutzen, um Stakeholder über verantwortungsvolle Umwelt- und Sozialpraktiken zu informieren. Segelorganisationen mit einem traditionelleren Geschäftsmodell hätten eine Rolle zu spielen, angefangen bei der Verwendung umweltfreundlicherer Materialien beim Bootsbau über die Unterstützung der Meereswissenschaft bis hin zur Erhöhung des Zugangs zum Sport.

Für The Ocean Race habe es bedeutet, dass Nachhaltigkeit "Teil der Art und Weise wird, wie der Sport funktioniert", wenn Änderungen zu Teil der Regeln der Veranstaltung werden.

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