Ölschock und Geopolitik erschüttern globale Finanzmärkte massiv
Eskalation im Nahen Osten treibt Ölpreise über 90 Dollar – Stagflationsängste belasten Aktien und Anleihen weltweit.

Die globalen Finanzmärkte stehen unter massivem Druck. Steigende Ölpreise infolge des israelisch-amerikanischen Angriffs auf Iran, ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht und wachsende Stagflationssorgen haben Investoren in dieser Woche stark verunsichert.
Der US-Arbeitsmarkt enttäuschte im Februar mit einem unerwarteten Stellenabbau von 92.000 Jobs – Analysten hatten ein Plus von 50.000 erwartet. Der Dow Jones verlor daraufhin rund 550 Punkte, S&P 500 und Nasdaq gaben jeweils etwa 1 Prozent nach. Die Arbeitslosenquote stieg von 4,3 auf 4,4 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 4,11 Prozent.
Gleichzeitig schossen die Ölpreise in die Höhe. US-Rohöl überstieg die Marke von 90 Dollar pro Barrel, Brent-Rohöl verzeichnete seinen stärksten Wochenanstieg seit 2020. Analysten ziehen Parallelen zur russischen Invasion der Ukraine 2022 – obwohl der aktuelle Preis von 91 Dollar unter dem damaligen Hoch von 120 Dollar liegt, ist der prozentuale Anstieg vergleichbar.
Versorgungsengpässe und Inflationsrisiken
Der Konflikt trifft empfindliche Lieferketten. Versicherungsprämien für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, sind um 25 bis 100 Prozent gestiegen. Macquarie-Analysten warnen vor einem negativen Angebotsschock mit dauerhaften Jobverlusten in ölimportierenden Ländern wie Japan, China und Europa. Indien gilt als besonders gefährdet, da das Land 85 Prozent seines importierten Öls aus der Golfregion bezieht.
Einige Analysten warnen bereits vor Ölpreisen auf dem Niveau der Hochs von 2008 und 2022. Kuwait verstärkt die Sorgen zusätzlich: Das Land soll die Produktion gedrosselt haben, nachdem die Lagerkapazitäten erschöpft waren – ein Signal für eine mögliche globale Lagerkapazitätskrise.
Die Trump-Administration reagierte mit einer Lockerung der Russland-Sanktionen. Ein Treasury-Waiver erlaubt Indien nun den Kauf von russischem Rohöl aus gestrandeten Tankern und ermöglicht Transaktionen mit der deutschen Rosneft-Niederlassung – ein ungewöhnlicher Schritt zur Dämpfung der Ölpreise.
Dollar-Dominanz trotz Turbulenzen stabil
Trotz aller Turbulenzen bleibt die Dominanz des US-Dollars nach Einschätzung von Analysten strukturell intakt. Als Beleg dienen Rekordzuflüsse ausländischer Investoren in US-Staatsanleihen sowie die Tatsache, dass Alternativanlagen wie Gold und Bitcoin weiterhin in Dollar bewertet und abgewickelt werden.
Eine zunehmend wichtige Rolle spielen dabei USD-Stablecoins wie USDT und USDC. Tether, der Herausgeber von USDT, hielt Ende 2025 über 135 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen – das entspricht Rang 17 unter den weltgrößten Haltern von Staatsschulden. US-Regulierungsgesetze wie der GENIUS Act von 2025 verpflichten Stablecoin-Emittenten, ihre Reserven in Dollar oder kurzlaufenden Treasuries zu halten, und binden sie damit tief in den amerikanischen Staatsanleihemarkt ein.
Analysten prognostizieren, dass der USD-Stablecoin-Markt bis 2030 auf 2 bis 3 Billionen Dollar anwachsen könnte. Risiken bleiben dennoch: Die Ratingagentur S&P stufte Tethers Stabilitätsbewertung herab, und die Konkurrenz durch staatliche digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) wächst.
Gewinner und Verlierer des Ölschocks
Die wirtschaftlichen Folgen sind global ungleich verteilt. Ölexportierende Länder wie Brasilien, Kanada und Norwegen profitieren von den hohen Preisen. Importabhängige Volkswirtschaften hingegen drohen in eine Stagflation zu gleiten – ein Szenario aus schwachem Wachstum und gleichzeitig hoher Inflation, das Notenbanken vor schwierige Abwägungen stellt.
Langfristig hängt die Stärke des Dollars laut Macquarie auch vom Ausgang des militärischen Konflikts ab. Kurzfristig profitiert der Greenback von seiner Rolle als sicherer Hafen. Sollte der Konflikt jedoch als Verletzung der regelbasierten internationalen Ordnung wahrgenommen werden, könnten Zentralbanken weltweit ihre Dollar-Reserven weiter abbauen und Alternativen wie den chinesischen Yuan stärker gewichten.
