Ölpreise steigen um 1% wegen Nahost-Konflikt
Eskalation im Gaza-Streifen schürt Versorgungsängste, Zinssenkungsaussicht stützt die Märkte

Die Ölpreise stiegen am Montag um 1%, da erneute Bedenken aufkamen, dass eine Eskalation des Gaza-Konflikts die regionalen Ölversorgung beeinträchtigen könnte. Diese Entwicklung setzte die Gewinne vom Freitag fort, als die Aussicht auf Zinssenkungen in den USA die globale wirtschaftliche Lage und die Nachfrage nach Treibstoff verbesserte. Die Brent-Rohöl-Futures stiegen bis 09:10 Uhr GMT um 79 Cent, beziehungsweise 1%, auf 79,81 US-Dollar pro Barrel. Die US-Rohöl-Futures kletterten um 80 Cent, was einem Anstieg von 1,07% entspricht, und notierten bei 75,63 US-Dollar pro Barrel.
Am Sonntag kam es zu einem der größten Zusammenstöße in mehr als zehn Monaten Grenzkriegen, als die Hisbollah Hunderte von Raketen und Drohnen auf Israel abfeuerte. Israels Militär reagierte mit Luftschlägen, bei denen rund 100 Jets zum Einsatz kamen, um einen größeren Angriff abzuwehren. Diese Eskalation weckt Ängste, dass der Gaza-Konflikt zu einem regionalen Konflikt ausarten könnte, der sowohl den Iran, als auch die USA, den Hauptverbündeten Israels, in Mitleidenschaft ziehen könnte. Bislang blieb die Ölproduktion jedoch unbeeinflusst.
Carsten Fritsch, Analyst bei der Commerzbank, erklärte, dass die Ölpreise aufgrund der Angriffe vom Wochenende weiter stiegen. Dennoch habe sich die Lage wieder beruhigt, weshalb die Preiszuwächse begrenzt blieben. Bereits am Freitag hatten beide Öl-Benchmarks mehr als 2% zugelegt, nachdem der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, die Einleitung von Zinssenkungen befürwortet hatte. Analysten der ANZ erklärten in einer Mitteilung, dass die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik die Stimmung in der gesamten Rohstoffbranche gestärkt habe.
Die Investoren bleiben jedoch vorsichtig in Bezug auf die Entscheidungen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und ihrer Verbündeten, bekannt als OPEC+, die Pläne zur Erhöhung der Produktion später in diesem Jahr haben. Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin bei Phillip Nova, äußerte, dass das Kartell kürzlich seine Prognose für die weltweite Ölnachfrage gesenkt habe, da Sorgen über eine schwache Nachfrage in China, dem größten Ölimporteur, bestehen. Sie fügte hinzu, dass die derzeit robuste Nachfrage in den USA und das Auffüllen der strategischen Ölreserven (SPR) die einzigen Faktoren seien, die die Ölpreise gegen das Risiko eines Überangebots seitens der OPEC stützen könnten.
Sollte OPEC+ die geplante Produktionssteigerung im Oktober verschieben, könnten die Ölpreise kurzfristig Unterstützung erhalten, so der Analyst Ole Hansen von der Saxo Bank.
