Ölpreise fallen nach Anstieg der US-Rohölvorräte
Diplomatische Entwicklungen im Nahen Osten und steigende Lagerbestände beeinflussen den Markt

Die Ölpreise sind am Mittwoch gesunken, nachdem Branchenangaben zufolge die US-Rohölvorräte stärker als erwartet gestiegen sind. Dies hat die Marktentwicklung belastet, obwohl die Verluste durch die anhaltende Beobachtung diplomatischer Bemühungen im Nahen Osten begrenzt wurden, nachdem Israel seine Angriffe auf Gaza und den Libanon fortgesetzt hatte. Die Brent-Rohöl-Futures sanken um 50 Cent oder 0,7 % auf 75,54 US-Dollar pro Barrel, während die US-West Texas Intermediate-Rohöl-Futures ebenfalls um 50 Cent oder 0,7 % auf 71,24 US-Dollar pro Barrel fielen.
In den beiden vorangegangenen Sitzungen der Woche hatten die Rohöl-Futures noch zugelegt. Laut den Analysten von ING wartet der Markt weiterhin auf die Reaktion Israels auf den Raketenangriff des Iran. Am Dienstag waren die Preise möglicherweise gestiegen, weil der Besuch des US-Außenministers Antony Blinken in Israel ohne nennenswerte Ergebnisse blieb. Blinken führte "ausgedehnte Gespräche" mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und hochrangigen israelischen Führern, in denen er sie aufforderte, mehr humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu lassen.
Am Dienstag bestätigte Israel zudem die Tötung von Hashem Safieddine, dem designierten Nachfolger des verstorbenen Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah. Nasrallah war im vergangenen Monat bei einem israelischen Angriff auf die vom Iran unterstützte libanesische Miliz getötet worden. Marktteilnehmer rechnen mit einer länger anhaltenden Auseinandersetzung im Nahen Osten, was möglicherweise ein Abkommen über eine Waffenruhe verzögert.
Parallel dazu stiegen die US-Rohölvorräte in der vergangenen Woche um 1,64 Millionen Barrel, wie aus Daten des American Petroleum Institute hervorgeht. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Anstieg um 300.000 Barrel gerechnet. Dies trug zusätzlich zum Preisrückgang bei. Offizielle Daten der US-Regierung zu den Ölbeständen werden am Mittwoch erwartet.
Yeap Jun Rong, Marktstratege bei IG, merkte an, dass Chinas jüngste Konjunkturmaßnahmen möglicherweise zur Stabilisierung der Bedingungen beitragen oder sogar eine nachhaltige Erholung einleiten könnten, was sich positiv auf die Ölnachfrage auswirken könnte. Gleichzeitig bemerkte Jim Ritterbusch von Ritterbusch and Associates, dass die Schwankungen der Ölpreise, die kurzfristig von überverkauft auf überkauft wechseln, die Positionierung im Markt erschweren.
Goldman Sachs prognostizierte am Dienstag, dass die Ölpreise im Jahr 2025 bei durchschnittlich 76 US-Dollar pro Barrel liegen werden, basierend auf einem moderaten Rohölüberschuss und den Reserven der OPEC+-Länder.
