Ölpreise fallen trotz geopolitischer Spannungen
Steigende US-Rohölbestände und schwache Nachfrage bremsen die Preisanstiege aus

Die Ölpreise verzeichneten am Mittwoch Verluste, da schwache Nachfragedaten und steigende Ölbestände den Risiken möglicher Versorgungsunterbrechungen durch den Konflikt im Nahen Osten sowie den Hurrikan Milton in den USA entgegenwirkten. Der Preis für Brent-Rohöl sank um 40 Cent auf 76,81 US-Dollar pro Barrel, während der Preis für US-amerikanisches West Texas Intermediate (WTI) um 36 Cent auf 73,21 US-Dollar fiel.
Eine deutliche Zunahme der Ölreserven in den USA trug ebenfalls zu dem Preisrückgang bei. Laut Marktquellen stiegen die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche um fast 11 Millionen Barrel, was die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten deutlich übertraf. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den anfänglichen Preisgewinnen, die durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurden. Marktteilnehmer hatten aufgrund der unsicheren Lage in dieser Region mit möglichen Angebotsengpässen gerechnet.
Dennoch wirken sich nicht nur die geopolitischen Risiken auf die Ölpreise aus. Schwache Nachfrageperspektiven, insbesondere aufgrund von wirtschaftlichen Schwächen in China und Nordamerika, beeinflussen das fundamentale Marktbild negativ. Dies führte dazu, dass die US-amerikanische Energy Information Administration (EIA) ihre Nachfrageprognose für das Jahr 2025 nach unten korrigierte. Die Agentur begründete dies mit einer abnehmenden Wirtschaftsaktivität in den genannten Regionen, die die Nachfrage nach Öl dämpfen dürfte.
Der Leiter der Forschungsabteilung bei Onyx Capital Group, Harry Tchilinguirian, beschrieb die aktuelle Marktlage als ein „Tauziehen“ zwischen optimistischen Erwartungen steigender Preise, die durch geopolitische Risiken gestützt werden, und den pessimistischeren Aussichten aufgrund schwacher Nachfrage und fehlender fiskalpolitischer Impulse, insbesondere in China.
Zusätzlich zu den wirtschaftlichen und geopolitischen Faktoren beeinflusst auch das Wettergeschehen die Ölpreise. Der Hurrikan Milton, der die USA treffen könnte, birgt das Risiko von Versorgungsunterbrechungen und sorgt so für eine angespannte Marktlage. Jedoch scheinen die Marktteilnehmer derzeit mehr Gewicht auf die steigenden Vorräte und die schwache Nachfrage zu legen als auf die möglichen Auswirkungen des Sturms.
