Ölhändler erwarten Preiseinbruch auf 60 bis 70 Dollar
Weltweites Überangebot und schwache Nachfrage aus China setzen den Markt unter Druck.

Ölexperten und Händler von Rohstoffhandelsfirmen wie Gunvor und Trafigura erwarten, dass die Ölpreise aufgrund einer schwächelnden Nachfrage aus China und einem anhaltenden weltweiten Überangebot in den kommenden Monaten in einem Bereich zwischen 60 und 70 US-Dollar pro Barrel liegen könnten. Diese Einschätzung äußerten sie auf der jährlichen Asia Pacific Petroleum Conference (APPEC) in Singapur. Die Ölpreise stehen unter Druck, da die Nachfrage in wichtigen Volkswirtschaften wie China und den USA geringer ausfällt als erwartet. Dies hat dazu geführt, dass die Preise nach einem Anstieg auf über 90 US-Dollar pro Barrel Anfang des Jahres wieder gesunken sind.
Eine kurzfristige Entspannung des Marktes ergab sich durch die Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder und ihrer Verbündeten, bekannt als OPEC+, die geplante Erhöhung der Ölförderung für die Monate Oktober und November zu verschieben. Allerdings warnten Rohstoffhändler, dass diese Entspannung nur von kurzer Dauer sein könnte. Ben Luckock, Leiter des globalen Ölhandels bei Trafigura, äußerte die Erwartung, dass die Ölpreise bald in den Bereich von 60 US-Dollar fallen könnten, da das Angebot weiterhin das Niveau der Nachfrage übersteige.
Torbjörn Törnqvist, Mitbegründer und Vorsitzender des Energiehändlers Gunvor, schätzt den fairen Marktwert von Öl auf 70 US-Dollar pro Barrel. Seiner Ansicht nach wird die weltweite Überproduktion in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Dabei betonte er, dass das Problem nicht bei OPEC+ liege, da diese Organisation bereits viel getan habe, um den Markt zu stabilisieren. Vielmehr liege das Problem außerhalb der OPEC, da die Produktionszuwächse in Ländern wie den USA, Kanada und Brasilien ungebrochen seien.
Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass das weltweite Ölangebot in diesem Jahr um 770.000 Barrel pro Tag wachsen wird und im Jahr 2024 einen Rekordwert von 103 Millionen Barrel pro Tag erreichen könnte. Dieser Zuwachs soll sich im kommenden Jahr sogar mehr als verdoppeln, was den Druck auf die Preise weiter erhöhen dürfte. Auch die Nachfrage in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gibt Anlass zur Sorge. Trotz staatlicher Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft blieb die Nachfrage unter den Erwartungen, was sich zusätzlich negativ auf den Ölmarkt auswirkt.
