Nahostkonflikt treibt Ölpreise und erschüttert globale Märkte
Die Schließung der Straße von Hormuz und ein Ölpreisanstieg von 59 Prozent im März belasten Wirtschaft und Finanzmärkte massiv.

Der anhaltende Nahostkonflikt versetzt die Weltwirtschaft in den Krisenmodus. Seit der Schließung der Straße von Hormuz ist der Ölpreis allein im März um rund 59 Prozent gestiegen – ein historischer Schock, der Inflation, Lieferketten und Wachstumsprognosen weltweit unter Druck setzt. Besonders Deutschland trifft die Entwicklung hart.
Führende deutsche Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 bereits von 1,3 auf 0,6 Prozent halbiert. Für 2027 wird nur noch ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Die Inflationserwartungen wurden für beide Jahre auf 2,8 Prozent nach oben korrigiert.
Das Ifo-Institut meldet alarmierende Zahlen: 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sind vom Konflikt negativ betroffen, 78 Prozent nennen explodierte Energiekosten als Hauptbelastung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im März auf 86,4 Punkte – den tiefsten Stand seit Februar 2025.
Konsumenten und Märkte unter Druck
Auch die Verbraucherstimmung ist angespannt. Der deutsche Einzelhandel verzeichnete im Februar den zweiten Rückgang in Folge, und 90 Prozent der Konsumenten rechnen mit einer Verschlechterung ihrer finanziellen Lage. Kleine Betriebe wie Bäckereien reagieren mit Sortimentsanpassungen und Preiserhöhungen. Die Eurozone steht vor dem Risiko einer Stagflation.
An den Finanzmärkten herrscht Verkaufsdruck: S&P 500 und STOXX 600 haben seit ihren jüngsten Hochs jeweils rund 9 bis 10 Prozent verloren. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen kletterte auf über 3 Prozent – das höchste Niveau seit 15 Jahren. Hypothekenzinsen stiegen um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte, was viele Immobilienkäufer zur Zurückhaltung zwingt.
Analysten beobachten die Lage genau. Polymarket-Daten sehen eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Konflikt bis Ende Juni endet. Der Ölpreis wird zwischen 100 und 190 US-Dollar je Barrel prognostiziert, mit einem Mittelwert von rund 134,62 Dollar. Société-Générale-Stratege Manish Kabra erhöhte seine Rohstoffquoten, andere institutionelle Investoren weichen auf kurzlaufende Staatsanleihen aus.
Unternehmen passen Strategien an
Die geopolitische Unsicherheit zwingt Konzerne zum Umdenken. In der Pharmaindustrie werden europäische Produkteinführungen verschoben, um Auswirkungen auf die US-Preisgestaltung zu vermeiden. GlobalData registriert einen Rückgang neuer Medikamentenzulassungen in EU-Märkten um 35 Prozent in den vergangenen zehn Monaten.
Im Logistiksektor setzt Uber trotz der Marktturbulenzen auf Expansion und übernimmt den Berliner Chauffeurservice Blacklane. In der Aufzugsbranche kursieren Berichte über eine mögliche Übernahme von TK Elevator durch den finnischen Konzern Kone – ein Schritt, den Konkurrent Schindler bei den Kartellbehörden anfechten will. Rheinmetall hingegen steht vor einem fünfmonatigen Lieferverzug beim Luftabwehrsystem „Skyranger
