Kupferpreis auf Rekordkurs: US-Zollunsicherheit befeuert die Rallye
Der Kupferpreis hat mit 14.779 US-Dollar pro Tonne ein neues Allzeithoch erreicht. Treiber sind die anhaltende Unsicherheit über US-Importzölle sowie massive Verschiebungen der globalen Lagerbestände in die USA. Analysten sehen ein Erreichen der 15.000-Do

Der Kupferpreis nähert sich einer historischen Bestmarke. An der London Metal Exchange (LME) kletterte der Referenzpreis am Dienstag auf 14.779 US-Dollar je Tonne – ein neuer Höchststand. Es ist der vierte Börsentag in Folge mit steigenden Notierungen. Marktbeobachter halten ein Erreichen der psychologisch bedeutsamen Schwelle von 15.000 US-Dollar noch im Laufe dieser Woche für realistisch, sollte die spekulative Dynamik anhalten.
US-Zollpolitik als Preistreiber
Hauptursache für diese Entwicklung ist die fortwährende Ungewissheit über die Einfuhrzollstrategie von US-Präsident Donald Trump. Die Vereinigten Staaten haben angekündigt, ab 2027 einen Importzoll von 15 Prozent auf raffiniertes Kupfer zu erheben, der 2028 auf 30 Prozent ansteigen soll. Da die Administration diese Vorhaben weder bestätigt noch endgültig verworfen hat, herrscht am Markt große Verunsicherung. Diese Unklarheit schürt die Spekulation und treibt die Kurse nach oben.
Tom Price, Analyst bei Panmure Liberum, äußerte sich dazu deutlich: Angesichts der Menge spekulativen Kapitals hinter einer Handelsstrategie seien „große Zahlen“ durchaus erreichbar. John Meyer von SP Angel ergänzt, der Kupferpreis werde so lange steigen, wie keine Klarheit über die Zölle besteht. Die Akteure am Markt setzen offenbar auf eine Verknappung des Angebots in den USA und damit auf höhere Preise.
Lagerbestände verlagern sich massiv
Die Zollspekulationen haben eine gewaltige Umschichtung der weltweiten Lagerbestände ausgelöst. Während die Vorräte an der LME und an der Shanghai Futures Exchange (ShFE) auf insgesamt rund 300.000 Tonnen geschrumpft sind, verzeichnen die COMEX-Lager in den USA mit 695.624 Tonnen Rekordniveaus. Ein geöffnetes Arbitrage-Fenster begünstigt den Kupferimport in die USA.
Laut John Meyer befindet sich global zwar ausreichend physisches Kupfer, dieses lagert jedoch zunehmend konzentriert in den Vereinigten Staaten. Diese geografische Verlagerung der Bestände verstärkt die Knappheit an den anderen großen Handelsplätzen und stützt die Kurse zusätzlich.
US-Konjunkturdaten als nächster Prüfstein
Ob die Rallye von Dauer ist, hängt nach Einschätzung von Fachleuten von den bevorstehenden US-Wirtschaftsdaten ab. Alastair Munro, Stratege bei Marex, verweist auf Details zu einem Rückkaufprogramm für US-Staatsanleihen am Mittwoch sowie auf die US-Verbraucherpreisdaten für August, die für Freitag erwartet werden. Diese könnten entscheidende Impulse für die weitere Preisentwicklung liefern.
Das Brokerhaus Sucden Financial warnt indes vor möglichen Rückschlägen. Kupfer sei anfällig für Gewinnmitnahmen, falls sich der US-Dollar nach den Inflationszahlen erhole. Ein stärkerer Dollar verteuert die in dieser Währung notierten Metalle für Abnehmer aus anderen Währungszonen und könnte die Nachfrage bremsen. Dennoch sieht Sucden weiteres Aufwärtspotenzial, solange der Kurs über 14.400 US-Dollar notiert.
Morgan Stanley mit verhaltenem Ausblick
Auch Morgan Stanley hat die weitere Entwicklung im Blick. Amy Gower, Leiterin der Rohstoffstrategie für Metalle und Bergbau, hält ein Überschreiten der ursprünglichen Prognose von 14.250 US-Dollar für das vierte Quartal für wahrscheinlich. Die Bank bleibt für den Rest des Jahres 2026 optimistisch, zeigt sich jedoch zurückhaltender für 2027.
Sollten die Zölle in Kraft treten oder endgültig aufgegeben werden, dürfte die US-Importnachfrage in der Folge vermutlich nachlassen. Dies könnte die Preise dann unter Druck setzen. Vorerst bleibt der Kupfermarkt jedoch fest in der Hand der Bullen, die auf ein baldiges Durchbrechen der 15.000-Dollar-Marke setzen.
