Kohleversorgung indischer Kraftwerke durch Hitzewelle unter Druck
Wegen eines anhaltenden Hitzesommers arbeiten fast ein Drittel der indischen Kohlekraftwerke mit kritisch niedrigen Brennstoffbeständen – eine Entwicklung, die auch für Rohstoffanleger zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Trotz staatlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Energieversorgung arbeiten nahezu ein Drittel der indischen Kohlekraftwerke mit gefährlich geringen Brennstoffreserven. Dies belegen offizielle Regierungsdaten, die auf einen ungewöhnlich heißen Sommer verweisen, welcher die Stromnachfrage konstant auf hohem Niveau hält.
Die Spitzenlast in Indien, welche den maximalen Strombedarf abbildet, bewegte sich zuletzt nahe des im Mai verzeichneten Höchstwerts von 270,70 Gigawatt (GW). In den vergangenen Tagen pendelte der Bedarf beständig um rund 267 GW, angetrieben durch den erhöhten Kühlungsaufwand infolge des Wetterphänomens El Niño.
Die Anzahl der Kraftwerke mit kritisch niedrigen Kohlebeständen – weniger als 25 Prozent der erforderlichen Vorräte oder eine verbleibende Erzeugungskapazität von nur drei Tagen – ist nach Angaben der Central Electricity Authority deutlich gestiegen: Bis zum 9. September waren 59 Einheiten betroffen, verglichen mit 45 Einheiten Ende August.
Alarmierende Zunahme
„Der Anstieg der Kraftwerke mit schwindenden Kohlevorräten gibt Anlass zur Sorge“, erklärte Manoj Kumar, Analyst am Centre for Research on Energy and Clean Air. Zwar decken erneuerbare Energien, insbesondere die Solarkraft, tagsüber einen erheblichen Teil des Stromverbrauchs, doch fehlende Batteriespeicher und gesunkene Wasserstände in den Talsperren setzen die Kohleverstromung massiv unter Druck, so die Einschätzung der Experten.
Kumar betonte, Indien müsse auf kurze Sicht die Kohleanlieferungen an die Versorgungsunternehmen über das Bahnnetz steigern, um normale Lagerbestände zu gewährleisten. Am 6. September setzte Indien 444 Züge beziehungsweise Zugverbände ein, um die Kohlenachschubwege zu den Kraftwerken zu verstärken – am 3. September waren es noch 370 Züge gewesen.
Zudem haben Coal India und dessen Tochtergesellschaften die Lieferungen per Lkw ausgeweitet. Coal India, der weltgrößte Kohleförderer, versicherte, an den Abbaustätten stünden weiterhin ausreichende Reserven von rund 76 Millionen Tonnen bereit.
Versorgungsengpässe als Standortrisiko
Die gegenwärtige Lage unterstreicht die fortbestehende Abhängigkeit Indiens von Kohlekraftwerken, selbst während des parallel laufenden Ausbauts erneuerbarer Energiequellen. Der Subkontinent steht vor der Mammutaufgabe, den wachsenden Stromhunger einer Bevölkerung von über 1,4 Milliarden Menschen zu stillen und gleichzeitig die Energiewende voranzutreiben.
Die mangelhaften Batteriespeicherkapazitäten und die niedrigen Pegelstände in den Stauseen verschärfen die Situation zusätzlich. Ohne ausreichende Speicherlösungen lässt sich die tagsüber gewonnene Solarenergie nicht in die Nachtstunden verlagern, in denen die Kohlekraftwerke besonders stark gefordert sind.
Für Rohstoffanleger ist die Entwicklung in Indien relevant, da der indische Energiesektor zunehmend in den Fokus internationaler Kapitalströme rückt. Die Versorgungsprobleme bei der Kohle könnten den Druck auf die indische Regierung erhöhen, den Ausbau erneuerbarer Energien und insbesondere von Batteriespeichertechnologien zu forcieren.
