Iran-Konflikt trifft Ölmärkte härter als frühere Schocks
Der andauernde Konflikt mit dem Iran lähmt den globalen Ölhandel und lässt Rohölpreise um rund 80 Prozent steigen.

Der Iran-Konflikt erschüttert die globalen Energiemärkte mit einer Wucht, die Analysten an den Golfkrieg von 1990 erinnert. Die Straße von Hormus – ein Nadelöhr für rund 20 Prozent des weltweiten täglichen Ölhandels von 100 Millionen Barrel – ist nahezu vollständig blockiert. Händler warnen: Jeder weitere Tag des Konflikts verschärft den Energieschock und gefährdet Weltwirtschaft, Aktien und Anleihen.
Die Rapidan Energy Group schätzt, dass täglich mindestens 10 Millionen Barrel Erdöl gedrosselt bleiben. Saudi-Arabien hat zwar einige Lieferungen über bestehende Pipelines zu alternativen Exportterminals umgeleitet, doch die Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus. Drohnen- und Raketenangriffe auf Öltanker sowie Stilllegungen in wichtigen Produktionsanlagen könnten die Auswirkungen weit über das Kriegsende hinaus verlängern.
Ölpreise auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten
Die globalen Benchmark-Öl-Futures sind seit Jahresbeginn um rund 80 Prozent gestiegen – selbst nachdem Berichte über Friedensverhandlungen zwischen Washington und Teheran einen kurzfristigen Ausverkauf auslösten. Der Preisanstieg verläuft nahezu parallel zur Entwicklung nach dem Beginn des Golfkriegs im Jahr 1990. Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland bedeutet das erheblichen Kostendruck bei Energie und Kraftstoffen.
Im Vergleich zu früheren Ölschocks – etwa dem arabischen Ölembargo 1973 oder dem Irakkrieg 2003 – ist die aktuelle Situation besonders heikel. Damals konnten Saudi-Arabien und andere große Produzenten freie Förderkapazitäten aktivieren, um den Ausfall teilweise zu kompensieren. Diesmal ist genau das kaum möglich, solange die Meerenge faktisch geschlossen bleibt.
Die Trump-Administration versucht parallel, Friedensgespräche mit dem Iran zu führen und zieht gleichzeitig zusätzliche Truppen in der Region zusammen. Dieser Spagat zwischen Diplomatie und militärischer Präsenz hält die Märkte in Atem. Für Anleger bleibt die Unsicherheit über Dauer und Ausgang des Konflikts das bestimmende Risiko.
