IEA erwägt Rekord-Ölreserven-Freigabe wegen Hormus-Krise
Die Internationale Energieagentur plant die größte Notfallfreigabe der Geschichte – bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwägt angesichts iranischer Bedrohungen in der Straße von Hormus die Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel aus strategischen Ölreserven. Dies wäre die größte koordinierte Reserve-Freigabe in der Geschichte der Organisation. Zum Vergleich: Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stellte die IEA 2022 lediglich 182 Millionen Barrel bereit.
Der Iran bedroht weiterhin Schiffe, die die Straße von Hormus passieren – eine der wichtigsten Ölversorgungsrouten der Welt. Täglich transportieren Tanker schätzungsweise 20 Millionen Barrel durch diese Meerenge. Eine vollständige Blockade würde damit rund 20 Prozent des globalen Ölhandels treffen.
Die geplante Freigabe könnte theoretisch den Ausfall von etwa zehn Tagen kompensieren. Ob das ausreicht, um die Ölpreise dauerhaft zu stabilisieren, ist jedoch fraglich.
Kurzfristige Linderung, langfristiges Problem
Marktexperten sind sich einig: Das Anzapfen strategischer Reserven ist keine nachhaltige Lösung. Händler wissen, dass das eigentliche Problem nicht die Menge des gelagerten Öls ist, sondern der unterbrochene Fluss durch die globalen Lieferketten. Eine Freigabe könnte das Aufwärtspotenzial der Ölpreise in den nächsten Handelssitzungen zwar vorübergehend begrenzen – mehr aber auch nicht.
Es gibt zudem eine längerfristige Komplikation, die Marktteilnehmer beunruhigt. Strategische Reserven sind Notfallpuffer und keine dauerhaften Versorgungsquellen. Werden sie erheblich abgebaut, müssen sie anschließend wieder aufgefüllt werden – was die künftige Rohölnachfrage eher verstärken als dämpfen dürfte.
Für deutsche Privatanleger bedeutet dies: Sollte der Konflikt mit dem Iran anhalten und die Straße von Hormus längerfristig blockiert bleiben, dürften die Ölpreise trotz IEA-Intervention deutlich steigen. Die Energiemärkte bleiben damit ein zentrales Risiko für die Inflationsentwicklung in Europa.
