ANZEIGE

Goldman Sachs: Ölpreise könnten 2008er-Rekord bei Hormuz-Störung übertreffen

Anhaltende Lieferausfälle durch die Straße von Hormuz treiben die Ölpreisrisiken auf historische Höchststände.

2 Min
Goldman Sachs: Ölpreise könnten 2008er-Rekord bei Hormuz-Störung übertreffen

Goldman Sachs warnt eindringlich: Sollten die Durchflüsse durch die Straße von Hormuz im März gedrosselt bleiben, könnten die Ölpreise die Höchststände von 2008 und 2022 übertreffen. Die US-Investmentbank schätzt den aktuellen Lieferausfall auf rund 1,8 Millionen Barrel pro Tag – etwa 10 Prozent unter dem Normalniveau. Das ist deutlich gravierender als die ursprüngliche Annahme einer 15-prozentigen Störung.

Der Verlust von rund 1,7 Millionen Barrel täglich aus dem Persischen Golf übersteigt laut Goldman Sachs sogar den Schock durch den Ausfall russischer Öllieferungen Anfang 2022. Erschöpfte globale Lagerbestände und eine mögliche Beschleunigung der Vorratshaltung durch Verbraucher könnten die Preise auf ein Niveau treiben, das Nachfragezerstörung auslöst. Besonders raffinierte Produkte wie Diesel und Kerosin stehen im Fokus der Risikoanalyse.

Alternative Exportrouten konnten die Lücke bisher kaum schließen. Die tatsächliche Netto-Umleitung über Pipelines und Alternativhäfen wie Yanbu in Saudi-Arabien und Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten lag zuletzt bei durchschnittlich nur 0,9 Millionen Barrel pro Tag – weit entfernt von der theoretischen Kapazität von 3,6 Millionen Barrel. Streiks im Hafen von Fujairah und lokale Engpässe bei Schiffskraftstoffen erschweren die Umleitung zusätzlich.

Geopolitische Eskalation verschärft die Lage

Die Sicherheitslage in der Region bleibt angespannt. Berichten zufolge griff das iranische Revolutionsgarde (IRGC) US-Militäreinrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten an, darunter die Al Dhafra Air Base – und das nur Stunden nachdem Irans Präsident Masoud Pezeshkian eine Einstellung offensiver Angriffe angekündigt hatte. Dieser Widerspruch zwischen politischer Führung und militärischen Operationen nährt die Unsicherheit an den Märkten.

US-Präsident Donald Trump reagierte mit scharfen Drohungen gegenüber Teheran. Parallel dazu verzeichnet der Iran seit über einer Woche eine nahezu vollständige Internetabschaltung – der Datenverkehr liegt laut Überwachungsdienst NetBlocks bei nur rund einem Prozent des Normalwerts. Cybersicherheitsfirmen wie CrowdStrike beobachten zudem Aktivitäten iranisch-verbundener Akteure, die Aufklärungsarbeit und Denial-of-Service-Angriffe durchführen.

Viele Tankerbetreiber verharren angesichts erhöhter Sicherheitsrisiken in Warteposition. Goldman Sachs betont, dass allein steigende Versicherungskosten den Lieferrückgang nicht vollständig erklären – die Frachtraten sind zwar stark gestiegen, doch die Verunsicherung der Reedereien geht tiefer.

Ausblick: Brent-Prognose unter Druck

Goldman Sachs sieht die Ölpreisrisiken klar nach oben gerichtet, solange die Krise anhält. Eine Erholung der Ölströme erfordere entweder eine Deeskalation des Konflikts, verstärkten militärischen Schutz der Tanker durch die USA oder eine iranische Entscheidung zur Freigabe der sicheren Passage. Das bisherige Basisszenario der Bank – Brent-Futures im 80-Dollar-Bereich für März und in den hohen 70ern für das zweite Quartal – dürfte angesichts der aktuellen Entwicklungen nach oben revidiert werden.

Für deutsche Anleger und Unternehmen mit hohem Energiebedarf bedeutet dies erhebliche Planungsunsicherheit. Höhere Rohölpreise würden sich direkt auf Kraftstoff-, Heizöl- und Industrieenergiekosten auswirken und könnten die ohnehin unter Druck stehende deutsche Wirtschaft zusätzlich belasten.

ÖlpreisStraße Von HormuzGoldman SachsBrentGeopolitik

Meistgelesene News

  1. Geheimmission auf dem Bosporus: Schattenflotte-Tanker mit russischem Öl unterwegs
  2. Millennium Silver leitet Drohnenvermessung bei Nevada-Silberprojekt ein
  3. Mais-Futures unter Druck: Dollarstärke und Rekordernte belasten die Preise
  4. USA Rare Earth startet 1,2-Milliarden-Dollar-Magnetwerk in South Carolina
  5. Trumps Exportbremse: Droht ein US-Verbot für Diesel und Benzin?

Disclaimer