Europäische Märkte schwächer erwartet: Ölpreise trotzen IEA-Reserven
DAX droht ein Minus von einem Prozent, während Ölpreise trotz globaler Reservenfreigabe auf 100 Dollar klettern.

Die europäischen Aktienmärkte stehen am Donnerstag unter Druck. Laut Daten des Brokers IG wird der DAX zum Handelsstart rund ein Prozent tiefer erwartet, der britische FTSE 100 verliert vorbörslich etwa 0,2 Prozent, der französische CAC 40 rund 0,8 Prozent und der italienische FTSE MIB sogar 1,1 Prozent.
Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stehen die Ölpreise, die trotz einer koordinierten Freigabe strategischer Reserven weiter steigen. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Mittwoch beschlossen, 400 Millionen Barrel Öl aus den Beständen ihrer 32 Mitgliedsländer freizugeben, um die durch den Iran-Krieg ausgelösten Versorgungsengpässe abzumildern. Einen konkreten Zeitplan für die Markteinspeisung nannte die IEA dabei nicht.
Die Reaktion der Märkte fiel eindeutig aus: Die Nordseesorte Brent stieg über Nacht um mehr als acht Prozent und erreichte die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Händler zweifeln offenbar daran, dass die Reservenfreigabe den durch den Krieg verursachten globalen Angebotsschock ausreichend kompensieren kann.
Neue US-Handelsuntersuchungen belasten Stimmung zusätzlich
Zusätzlichen Gegenwind liefert die US-Handelspolitik. Die Trump-Regierung kündigte am Mittwoch neue Handelsuntersuchungen gegen die Europäische Union sowie mehr als ein Dutzend weitere Volkswirtschaften an. Grundlage ist Section 301 des US-amerikanischen Trade Act von 1974, der Washington erlaubt, Zölle auf Importe aus Ländern zu erheben, denen unfaire Handelspraktiken vorgeworfen werden. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer bestätigte die Maßnahmen vor Journalisten.
Auf Unternehmensseite stehen heute mehrere wichtige Quartalsergebnisse auf dem Programm. Berichte werden erwartet von:
- BMW
- Generali
- RWE
- Hannover Rück
- Swiss Life
- Informa
Darüber hinaus veröffentlicht die IEA heute ihren aktuellen monatlichen Ölmarktbericht, der angesichts der angespannten Versorgungslage mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden dürfte.
