Erdgaskrise droht: Ölpreis springt nach Nahost-Eskalation auf 118 Dollar
Iranische Angriffe auf Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien treiben Brent-Öl um fast 10 Prozent nach oben.

Die Spannungen im Nahen Osten haben die Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Nachdem Israel Anlagen an Irans wichtigstem Gasfeld angegriffen hatte, schlug Teheran mit Attacken auf Energieinfrastruktur in Katar und Saudi-Arabien zurück. Die Folge: Brent-Rohöl-Terminkontrakte schnellten um knapp 10 Prozent auf 118 US-Dollar pro Barrel in die Höhe.
Noch heftiger reagierten die europäischen Erdgasmärkte. Europa steuert damit auf eine zweite schwere Energiekrise innerhalb von nur vier Jahren zu – nach dem Schock infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022, der die Gaspreise auf Rekordhöhen trieb.
Händler rechnen mit langanhaltenden Störungen
Besonders aufschlussreich ist das Verhalten der Terminmärkte: Nicht nur die Kontrakte für die unmittelbar bevorstehenden Monate sind stark gestiegen, sondern auch jene für den nächsten Winter. Dies signalisiert, dass Marktteilnehmer keine schnelle Entspannung der Lage erwarten und sich auf anhaltende Lieferausfälle einstellen.
Europa bezieht zwar nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Flüssigerdgases (LNG) direkt aus Katar. Das eigentliche Problem liegt jedoch im globalen Wettbewerb um alternative Lieferquellen. Sollten katarische LNG-Lieferungen ausbleiben, werden asiatische Importeure verstärkt auf amerikanisches LNG zurückgreifen – und damit in direkte Konkurrenz zu europäischen Käufern treten.
Für Europa bedeutet dies: Die Abhängigkeit von US-amerikanischem Flüssigerdgas dürfte weiter steigen. Gleichzeitig wächst der Preisdruck, da Europa und Asien um dieselben Frachten konkurrieren. Deutsche Verbraucher und energieintensive Industrien könnten die Folgen dieser geopolitischen Verwerfungen bereits im kommenden Heizwinter spüren.
