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Zentralbanken sehen Geopolitik als größtes globales Risiko an

Eine neue Umfrage zeigt: Fast 70% der Notenbanken stufen geopolitische Spannungen als ihr größtes Risiko ein.

3 Min
Zentralbanken sehen Geopolitik als größtes globales Risiko an

Die Besorgnis der Zentralbanken über geopolitische Spannungen ist in diesem Jahr drastisch gestiegen. Fast 70% der befragten Notenbanken stufen Geopolitik nun als ihr größtes globales Risiko ein – ein deutlicher Sprung gegenüber den 35%, die dies noch im Jahr 2024 angaben. Dies geht aus einer Umfrage von Central Banking Publications hervor, die fast 100 Institutionen mit Reserven von mehr als 9,5 Billionen US-Dollar umfasst.

Die Erhebung wurde zwischen Januar und März 2025 durchgeführt. Bis auf wenige Ausnahmen gingen alle Antworten vor den Angriffen auf den Iran am 28. Februar ein. Dennoch hatten die Spannungen bereits zugenommen, nachdem es im Januar zu einem Streit zwischen den USA und Dänemark über Grönland gekommen war. Geopolitik löste damit die Sorge des Vorjahres über den US-Handelsprotektionismus als größtes Risiko ab.

Inflation und Zinsen bleiben langfristig dominant

Mit Blick auf einen Zeitraum von fünf Jahren bleiben Inflation und Zinssätze die wichtigsten Faktoren für die Verwaltung der Währungsreserven. Etwas mehr als die Hälfte der Zentralbanken stufte diese als ihr wichtigstes Thema ein. Das liegt jedoch deutlich unter den 76%, die im Vorjahr Inflation und Zinssätze nannten. Geopolitik wurde im Fünfjahresausblick von fast 30% der Befragten stark gewichtet – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Diese Verschiebung spiegelt die zunehmende globale Unsicherheit wider, die Notenbanken weltweit zwingt, ihre Reservestrategien neu zu überdenken. Konflikte, Handelskonflikte und geopolitische Verwerfungen rücken damit stärker in den Fokus der Währungshüter als noch vor wenigen Jahren.

Vertrauen in den US-Dollar wird auf die Probe gestellt

Die Umfrage zeigt zudem eine wachsende Skepsis gegenüber dem US-Dollar. Die US-Währung verlor zwischen Januar des vergangenen Jahres und diesem Jahr über 12% gegenüber einem Korb anderer wichtiger Währungen, konnte seither jedoch etwa ein Drittel des Bodens wieder gutmachen. Rund 80% der Reservemanager stimmen zu, dass der Dollar weiterhin die wichtigste sichere Hafenwährung der Welt bleibt – viele fügen jedoch hinzu, dass seine Dominanz zunehmend infrage gestellt wird.

Ein Zentralbanker aus dem asiatisch-pazifischen Raum wurde in der Umfrage anonym zitiert: „In den nächsten fünf Jahren werden die Verwalter der weltweiten Devisenreserven angesichts der zunehmenden globalen Fragmentierung rigoros prüfen, ob die Rolle des US-Dollars als dominierende globale Reservewährung fortbesteht." Dieser Befund unterstreicht, wie stark das Vertrauen in die Leitwährung unter Druck geraten ist.

Besonders auffällig: 16% der Zentralbanken gehen davon aus, dass die Rolle des Dollars ihre Reserveentscheidungen im Fünfjahreszeitraum beeinflussen wird – verglichen mit etwas mehr als 3% im Vorjahr. Das ist ein mehr als fünffacher Anstieg und signalisiert eine strukturelle Neubewertung des Greenbacks durch die globalen Währungshüter.

US-Anleihen verlieren an Vertrauen – Gold gewinnt

Auch das Vertrauen in US-Staatsanleihen hat sich deutlich verschlechtert. Nur noch ein Drittel der Befragten erwartet, dass US-Anleihen besser abschneiden werden als jene anderer G7-Staaten und Chinas. Im Vorjahr war es noch mehr als die Hälfte, im Jahr 2024 sogar über 70%. Dieser Rückgang ist bemerkenswert und zeigt, wie stark sich die Einschätzung der Reservemanager gegenüber amerikanischen Staatspapieren verändert hat.

Gold profitiert derweil von der wachsenden Unsicherheit. Fast drei Viertel der Zentralbanken gaben an, Gold in ihren Reserven zu halten – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Zudem erklärten fast 40% der Befragten, sie erwögen, ihre Goldbestände weiter aufzustocken. Das Edelmetall gilt in Zeiten geopolitischer Turbulenzen traditionell als sicherer Hafen und gewinnt in der Reservestrategie der Notenbanken offenbar wieder an Bedeutung.

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