USA und Iran melden Fortschritte trotz Krise an Straße von Hormus
Irans Chefunterhändler spricht von Annäherung, doch Differenzen bei Nuklearfragen und der Meerenge bleiben bestehen.

Die Nuklearverhandlungen zwischen den USA und dem Iran zeigen erste Fortschritte – doch die Lage bleibt angespannt. Irans Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf erklärte gegenüber staatlichen Medien: „Wir haben Fortschritte gemacht, aber es liegt noch eine große Distanz zwischen uns." US-Präsident Donald Trump sprach seinerseits von „sehr guten Gesprächen" mit Teheran, warnte jedoch gleichzeitig vor „Erpressung" in Bezug auf die strategisch bedeutsame Straße von Hormus.
Der Konflikt, der sich nun in der achten Woche befindet, hat Tausende Todesopfer gefordert und sich auf israelische Angriffe im Libanon ausgeweitet. Vor Ausbruch des Krieges wurde ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen durch die Straße von Hormus abgewickelt – die faktische Schließung der Meerenge hat die Ölpreise seither massiv in die Höhe getrieben. Hunderte Schiffe und rund 20.000 Seeleute sitzen laut Schifffahrtsquellen weiterhin im Golf fest und warten auf die Passage durch die Wasserstraße.
Irans Kehrtwende an der Meerenge
Teheran änderte am Samstag seinen Kurs und schloss den energetischen Engpass erneut, nachdem der Iran am Freitag zunächst eine vorübergehende Wiederöffnung angekündigt hatte. Diese Ankündigung war im Zusammenhang mit einem von den USA vermittelten zehntägigen Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon erfolgt, das am Donnerstag geschlossen worden war. Als Begründung für die erneute Schließung nannte Teheran eine anhaltende US-Blockade iranischer Häfen, die der Iran als Verletzung des Waffenstillstands wertet.
Der Oberste Führer Ajatollah Mojtaba Khamenei erklärte, die iranische Marine sei bereit, ihren Feinden „neue bittere Niederlagen" zuzufügen. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran ergänzte laut staatlichen Medien, dass Teherans Kontrolle über die Meerenge auch die Forderung nach Zahlung von Kosten für Sicherheits-, Schutz- und Umweltschutzdienste beinhalte. Am Samstag meldeten mindestens zwei Schiffe Angriffe, während sie versuchten, die Wasserstraße zu passieren – Indien bestellte daraufhin den iranischen Botschafter in Neu-Delhi ein und drückte tiefe Besorgnis aus.
Weit auseinanderliegende Positionen bei Nuklearfragen
Bei den Gesprächen in Islamabad am vergangenen Wochenende – den ranghöchsten US-iranischen Verhandlungen seit der Islamischen Revolution von 1979 – schlugen die USA eine 20-jährige Aussetzung aller iranischen Nuklearaktivitäten vor. Der Iran hingegen bot lediglich eine Unterbrechung von drei bis fünf Jahren an. Diese erhebliche Diskrepanz verdeutlicht, wie weit die Positionen beider Seiten noch auseinanderliegen.
Qalibaf beschrieb die Lage so: „Es gibt einige Punkte, auf denen wir beharren. Sie haben ebenfalls rote Linien. Aber diese Fragen könnten sich auf nur ein oder zwei Punkte beschränken." Irans stellvertretender Außenminister Saeed Khatibzadeh teilte mit, dass noch kein Termin für die nächste Verhandlungsrunde festgelegt worden sei und zunächst ein Rahmenverständnis vereinbart werden müsse.
Waffenstillstand läuft am Mittwoch aus
Der Druck auf eine rasche Einigung wächst: Der fragile Waffenstillstand läuft bereits am Mittwoch aus. Trump drohte damit, „wieder Bomben abzuwerfen", falls die Länder bis dahin kein langfristiges Abkommen erzielen. Hochrangige Berater für nationale Sicherheit versammelten sich am Samstagmorgen im Weißen Haus, Trump begab sich später mit Sondergesandtem Steve Witkoff zum Trump National Golf Club.
Der politische Druck auf Trump ist erheblich: Seine republikanischen Parteikollegen müssen bei den Zwischenwahlen im November knappe Mehrheiten im Kongress verteidigen, während die US-Benzinpreise hoch sind, die Inflation steigt und Trumps eigene Zustimmungswerte sinken. Die Ölpreise fielen am Freitag um rund 10 Prozent und die weltweiten Aktienmärkte legten zu, als die Aussicht auf eine Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Meerenge aufkam – ein deutliches Signal, wie stark die globalen Märkte von einer Lösung des Konflikts abhängen.
