Trump nennt US-Marine-Beschlagnahmung iranischer Ölfracht „Piraterie"
US-Präsident Trump vergleicht die Beschlagnahmung eines iranischen Schiffes durch die US-Navy offen mit dem Handeln von Piraten.

US-Präsident Donald Trump hat die Beschlagnahmung eines iranischen Öltankers durch die US-Marine mit ungewöhnlich offenen Worten beschrieben. Bei einem politischen Forum in West Palm Beach, Florida, schilderte er den Vorgang in auffallend direkter Sprache und zog dabei einen Vergleich zu Piraten.
„Ein Schuss in den Maschinenraum, der Maschinenraum wurde gesprengt. Das Schiff hielt an. Sie setzten Schlepper ein. Und dann sind wir darauf gelandet", zitierte Trump die Aktion der US-Streitkräfte. „Wir haben die Ladung übernommen, das Öl übernommen. Es ist ein sehr profitables Geschäft. Wer hätte gedacht, dass wir so etwas tun? Wir sind wie Piraten. Wir sind so etwas wie Piraten."
Die Beschlagnahmung des Schiffes hatte sich bereits im April 2026 ereignet und war vom US Central Command über den Kurznachrichtendienst X veröffentlicht worden. Trumps Äußerungen dazu erfolgten nun Anfang Mai – und sorgten für weitreichende Aufmerksamkeit.
Straße von Hormus als geopolitisches Nadelöhr
Der Hintergrund der Aktion ist ein eskalierender Konflikt, der laut den vorliegenden Informationen am 28. Februar von den USA und Israel eingeleitet wurde. Seitdem blockiert der Iran nahezu alle Schiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen – mit Ausnahme der eigenen Schiffe. Trump hat seinerseits eine separate Blockade iranischer Häfen verhängt.
Die Straße von Hormus ist von enormer strategischer Bedeutung für die globalen Energiemärkte. Durch dieses Nadelöhr am Persischen Golf werden rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte abgewickelt. Eine Blockade dieses Seewegs hat unmittelbare Auswirkungen auf die Energieversorgung weltweit.
Die Folgen für die Rohstoffmärkte sind bereits spürbar: Der Krieg hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. Marktbeobachter sprechen bereits von einem möglichen „Higher for Longer"-Szenario auch beim Öl. Zudem haben die Vereinigten Arabischen Emirate angekündigt, die OPEC im Mai nach mehr als sechs Jahrzehnten Mitgliedschaft zu verlassen – ein weiteres Zeichen für die tiefgreifenden Verwerfungen am globalen Ölmarkt.
Internationale Kritik und rechtliche Einordnung
Trump sieht sich wegen seiner Äußerungen und Handlungen im Zusammenhang mit dem Konflikt breiter internationaler Kritik ausgesetzt. Besonders aufhorchen ließ eine Aussage aus dem Vormonat, in der er gedroht hatte, die gesamte Zivilisation des Irans zu vernichten. Einige Experten erklärten, dass derartige angedrohte Handlungen Kriegsverbrechen gleichkommen könnten.
Der Krieg ist in den USA selbst weiterhin unpopulär. Trump hat bislang wechselnde Zeitpläne und Ziele für den Konflikt vorgelegt, was die Unsicherheit in der Bevölkerung und an den Märkten zusätzlich erhöht.
Neben iranischen Schiffen, die nach dem Verlassen iranischer Häfen beschlagnahmt wurden, haben die USA auch sanktionierte Containerschiffe und iranische Tanker in asiatischen Gewässern aufgebracht. Die Beschlagnahmungen sind Teil einer umfassenderen Druckstrategie gegenüber Teheran, deren wirtschaftliche und geopolitische Konsequenzen die globalen Energiemärkte weiterhin in Atem halten.
