Straße von Hormus: Trump fordert freie Durchfahrt ohne Gebühren
Das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran steht auf der Probe – die Öffnung der Meerenge ist die zentrale Bedingung.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, machte am Mittwoch deutlich: Der fragile Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hängt unmittelbar davon ab, dass die Straße von Hormus für Schiffe „ohne Einschränkung, einschließlich Gebühren" geöffnet wird. Präsident Donald Trump fordere die „unverzügliche und uneingeschränkte" Öffnung der Meerenge, die während des Krieges faktisch vom Iran blockiert worden war. Leavitts Botschaft war unmissverständlich: Trumps „klare Sprache" solle „wörtlich genommen werden".
Hintergrund der Forderung ist ein Bericht der Financial Times, wonach der Iran plant, von Schifffahrtsunternehmen Gebühren in Kryptowährungen zu verlangen, um Öltanker durch die Meerenge passieren zu lassen. Zudem soll der Iran jedes Schiff auf Waffen untersuchen, wie die FT unter Berufung auf einen Sprecher des iranischen Verbandes der Exporteure von Öl-, Gas- und petrochemischen Produkten berichtete. Ob solche Gebühren eine „rote Linie" darstellen würden, beantwortete Leavitt nicht direkt – ihre Aussage ließ jedoch wenig Interpretationsspielraum.
Waffenstillstand unter Druck
Das Abkommen zwischen Washington und Teheran war erst am Dienstagabend in Kraft getreten – und steht bereits unter erheblichem Druck. Die iranische staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete am frühen Mittwoch, dass der Tankerverkehr durch die Meerenge nach einem israelischen Angriff auf den Libanon erneut eingestellt wurde. Dieser Vorfall erschütterte den erst wenige Stunden alten Waffenstillstand erheblich.
Laut dem Schiffstracking-Dienst MarineTraffic passierten in den Stunden nach dem Abkommen lediglich zwei Schiffe die Meerenge: die in griechischem Besitz befindliche NJ Earth und die unter liberianischer Flagge fahrende Daytona Beach. Bei beiden handelt es sich jedoch um Massengutfrachter, die Trockenfracht und kein Öl transportieren. Der gesamte Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutsame Wasserstraße hat laut Experten und Branchenkennern nicht nennenswert zugenommen.
Die Unsicherheit in der Schifffahrtsbranche bleibt groß. Teheran hatte zwar am Dienstag zugesichert, dass Schiffe die Meerenge während des Waffenstillstands sicher befahren können – allerdings mit dem Vorbehalt, dass dies nur „in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter gebührender Berücksichtigung technischer Einschränkungen" möglich sei. Reedereien verharren daher weitgehend in einer abwartenden Haltung.
Dramatische Vorgeschichte des Abkommens
Die Einigung kam unter extremem Druck zustande. Noch am Dienstagmorgen hatte Trump gedroht, dass eine „ganze Zivilisation sterben" werde, falls bis Dienstagabend kein Abkommen zur Wiedereröffnung der Meerenge erzielt werden könne. Weniger als zwei Stunden vor Ablauf seiner selbst gesetzten Frist verkündete Trump, die geplanten Angriffe für zwei Wochen auszusetzen – „unter der Bedingung, dass die Islamische Republik Iran der VOLLSTÄNDIGEN, SOFORTIGEN und SICHEREN ÖFFNUNG der Straße von Hormus zustimmt".
In der Nacht zum Mittwoch erklärte Trump in einem Post auf Truth Social, dass die USA „bei der Bewältigung des Verkehrsstaus in der Straße von Hormus helfen werden". Dies markierte eine bemerkenswerte Kehrtwende: Noch wenige Tage zuvor hatte er damit gedroht, die zivile Infrastruktur des Irans anzugreifen, sofern das Regime die Meerenge nicht öffne.
Wirtschaftliche Bedeutung der Meerenge
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Vor dem Krieg passierten laut Daten des Analyseunternehmens Kpler täglich zwischen 100 und 120 Handelsschiffe – zumeist Öltanker – die Meerenge. Durch sie fließen rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots. Als der Iran begann, Handelsschiffe anzugreifen, brach der Verkehr auf nur noch eine Handvoll Schiffe pro Tag ein.
Zuletzt gab es erste zaghafte Zeichen einer Erholung: In der Woche vom 30. März bis zum 5. April absolvierten rund 72 Schiffe die Durchfahrt, wie Daten von Lloyd's List zeigen. Es war die geschäftigste Woche seit Ausbruch des Krieges am 28. Februar – obwohl das Verkehrsaufkommen laut den Daten immer noch 90 Prozent unter dem normalen Niveau lag. Etwa 80 Prozent dieser Schiffe standen in Verbindung zum Iran, 13 Prozent befanden sich in chinesischem Besitz.
Die erste Verhandlungsrunde während des Waffenstillstands soll am Samstagmorgen in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, stattfinden. Das US-Verhandlungsteam wird von Vizepräsident JD Vance, dem Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Berater, geleitet. Ob der Waffenstillstand bis dahin hält und die Meerenge tatsächlich vollständig für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet wird, bleibt abzuwarten.
