Silberpreis bricht ein: Fed-Zinspolitik und starker Dollar belasten
Der Silberpreis verliert über elf Prozent – schwindende Zinssenkungshoffnungen und ein erstarkter US-Dollar setzen Edelmetalle massiv unter Druck.

Der Silbermarkt erlebt derzeit einen heftigen Kurseinbruch. Mit einem Minus von mehr als elf Prozent fiel der Preis für eine Feinunze Silber zuletzt auf rund 67 US-Dollar – deutlich unter die psychologisch wichtige 70-Dollar-Marke. Zum Vergleich: Ende Januar notierte Silber noch bei 121,65 Dollar pro Feinunze.
Auslöser der aktuellen Verkaufswelle ist die veränderte Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Während Marktteilnehmer ursprünglich zwei Zinssenkungen für 2026 eingepreist hatten, signalisierten die Notenbanker nach ihrer jüngsten Sitzung lediglich einen einzigen Schritt nach unten. Diese Kehrtwende enttäuschte Anleger und löste breite Verkäufe bei Edelmetallen aus.
Zusätzlich belastet der starke US-Dollar den Silberpreis. Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar genießt die amerikanische Währung verstärkt ihren Status als sicherer Hafen. Da Silber weltweit in Dollar abgerechnet wird, verteuert ein starker Dollar das Metall für internationale Käufer – und dämpft damit sowohl die industrielle als auch die private Nachfrage spürbar.
Energiepreise befeuern Inflationssorgen
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat die Energiekosten massiv in die Höhe getrieben. Steigende Energiepreise schüren die Inflationssorgen und machen eine baldige Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken unwahrscheinlicher. Für Silber ist das ein doppelter Nachteil: Als Edelmetall ohne laufende Erträge reagiert es besonders empfindlich auf das Szenario dauerhaft hoher Zinsen.
Der Silberpreis befindet sich damit in einem klassischen Dilemma. Einerseits profitiert das Metall als Krisenwährung grundsätzlich von geopolitischen Verwerfungen. Andererseits überwiegen derzeit die wirtschaftlichen Kollateralschäden des Konflikts – insbesondere die Inflationsrisiken – gegenüber der reinen Nachfrage nach sicheren Häfen.
Rückblick: Vom Rekordhoch in den freien Fall
Noch Mitte März stabilisierte sich Silber kurzzeitig um die 85-Dollar-Marke, nachdem es Anfang März bereits rund sieben Prozent auf 83,05 Dollar eingebüßt hatte. Die anfänglichen Kursaufschläge nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen im Iran konnten nicht gehalten werden. Seitdem verharrt das Metall in einem anhaltenden Abwärtstrend.
Analysten sehen vorerst wenig Spielraum für eine Erholung. Solange der Inflationsdruck durch hohe Energiepreise anhält und die Fed an ihrer restriktiven Haltung festhält, dürfte der Silberpreis unter erheblichem Druck bleiben. Privatanleger sollten die Entwicklungen bei der US-Geldpolitik und den Energiemärkten genau im Blick behalten.
