Gold und Silber brechen um bis zu 10 Prozent ein
Inflationssorgen und der anhaltende Iran-Krieg lösen einen massiven Ausverkauf bei Edelmetallen und Bergbauaktien aus.

Gold und Silber stehen am Donnerstag unter massivem Verkaufsdruck. Spot-Gold verlor rund 4,9 Prozent auf etwas über 4.600 US-Dollar pro Unze, während Gold-Futures für den Frontmonat um 5,8 Prozent auf 4.612 Dollar abrutschten. Spot-Silber brach sogar um 9,5 Prozent auf 68,22 Dollar ein, Silber-Futures gaben 12 Prozent nach.
Der Ausverkauf trifft beide Edelmetalle inmitten einer breiten Risk-off-Stimmung an den globalen Finanzmärkten. Anleger meiden risikobehaftete Anlagen, da der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran Sorgen über einen Energieschock und steigende Inflation schürt. Europäische Aktienmärkte gaben im frühen Handel deutlich nach, US-Futures deuten ebenfalls auf fallende Kurse zur Eröffnung hin.
Bergbauaktien und ETFs unter Druck
Auch börsengehandelte Fonds und Bergbauaktien leiden erheblich. Der ProShares Ultra Silver ETF verlor im vorbörslichen Handel rund 20 Prozent, der iShares Silver Trust ETF – bekannt durch einen Meme-Trade Anfang 2025 – büßte knapp 10 Prozent ein. Der Physical Silver Shares ETF von Aberdeen sank um 9,9 Prozent.
Bei den Einzelwerten verzeichneten First Majestic Silver und Coeur Mining Verluste von je rund 10 Prozent. Teck Resources fiel um 8,9 Prozent. Auch in Europa war der Druck spürbar: Der Stoxx Europe Basic Resources Index verlor 6 Prozent, Fresnillo gab 9,3 Prozent nach, Antofagasta 8,2 Prozent.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ließ ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 0 Prozent und verwies dabei ausdrücklich auf den Iran-Krieg. Die SNB signalisierte zugleich eine wachsende Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen, sollte der Konflikt andauern. Auch die Zentralbanken Großbritanniens und der Eurozone aktualisieren ihre Geldpolitik im Laufe des Tages.
Rekordrallyeende nach außergewöhnlichem Lauf
Die aktuellen Verluste folgen auf außergewöhnliche Kursgewinne. Gold hatte im Jahr 2025 rund 66 Prozent zugelegt, Silber sogar 135 Prozent. Im Jahr 2026 zeigte sich der Handel jedoch deutlich volatiler – Silber-Futures erlitten Ende Januar bereits den schwersten Tagesverlust seit den 1980er Jahren.
Marktexperten sehen mehrere Faktoren hinter dem Rückgang. Dan Coatsworth, Marktstratege bei AJ Bell, erklärte, Anleger liquidierten entweder Positionen, die ihnen zuvor hohe Gewinne gebracht hatten, oder reagierten auf eine weitere Aufwertung des US-Dollars. Paul Surguy von der Kingswood Group wies darauf hin, dass das breitere Umfeld Anleger dazu ermutigen könnte, ihre Goldbestände grundsätzlich zu überdenken.
Iain Barnes, CIO bei Netwealth, interpretiert die gestiegene Volatilität als Zeichen dafür, dass Gold inzwischen breiter in Anlageportfolios integriert sei – was zwangsläufig zu stärkeren Preisschwankungen führe. Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Edelmetalle bieten zwar langfristig Inflationsschutz, sind aber in geopolitisch angespannten Phasen keineswegs frei von kurzfristigen Kursrisiken.
