Sanktionierte Tanker passieren Straße von Hormus trotz US-Blockade
Schifffahrtsdaten belegen: Chinesischer Tanker „Rich Starry" durchquert strategisches Nadelöhr ungehindert – trotz aktiver US-Sanktionen.

Trotz einer US-Blockade hat ein von den Vereinigten Staaten sanktionierter chinesischer Tanker am Dienstag die Straße von Hormus passiert. Dies belegen Daten der Schifffahrtsdienste LSEG, MarineTraffic und Kpler. Die „Rich Starry" ist damit das erste Schiff, das die strategisch bedeutsame Meerenge durchquert und den Persischen Golf seit Beginn der Blockade verlassen hat.
Der Tanker und sein Eigentümer, die Shanghai Xuanrun Shipping Co Ltd, stehen auf der US-Sanktionsliste – wegen Geschäften mit dem Iran. Das Unternehmen war für eine unmittelbare Stellungnahme nicht zu erreichen. Bei der „Rich Starry" handelt es sich um einen sogenannten Medium-Range-Tanker, der sich in chinesischem Besitz befindet und eine chinesische Besatzung an Bord hat.
Den Schifffahrtsdaten zufolge hat der Tanker rund 250.000 Barrel Methanol geladen. Die Fracht wurde im letzten Anlaufhafen Hamriyah in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen. Hamriyah ist ein bedeutender Freihafen im Emirat Sharjah und gilt als wichtiger Umschlagplatz für Rohstoffe und Chemikalien in der Region.
Zweiter sanktionierter Tanker auf dem Weg durch die Meerenge
Nicht nur die „Rich Starry" sorgt für Aufmerksamkeit: Auch ein weiterer von den USA sanktionierter Tanker steuerte am Dienstag die Straße von Hormus an. Die „Murlikishan" – früher unter dem Namen „MKA" bekannt – näherte sich der Meerenge, wie LSEG-Daten zeigten. Das Schiff hat in der Vergangenheit bereits russisches und iranisches Öl transportiert.
Bei der „Murlikishan" handelt es sich um einen sogenannten Handysize-Tanker, der den Daten zufolge leer unterwegs ist. Laut Kpler-Daten wird erwartet, dass das Schiff am 16. April im Irak Schweröl laden wird. Damit würde es erneut Fracht aus einer Region aufnehmen, die im Fokus westlicher Sanktionspolitik steht.
Straße von Hormus: Strategisches Nadelöhr für den Weltenergiemarkt
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch die schmale Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssiggases transportiert. Für europäische und asiatische Energiemärkte hat die Route damit eine kaum zu überschätzende Bedeutung.
Das Passieren der Meerenge durch sanktionierte Schiffe verdeutlicht die Grenzen der Durchsetzbarkeit von US-Sanktionen auf hoher See. Insbesondere chinesische Reedereien stehen immer wieder im Fokus amerikanischer Behörden, da sie trotz Sanktionen Handelsbeziehungen mit dem Iran und Russland aufrechterhalten. Die Vorfälle vom Dienstag dürften die geopolitischen Spannungen rund um die Energieversorgung aus dem Persischen Golf weiter verschärfen.
